Software AG: "Werden uns geographisch ausweiten"
Karl-Heinz
Streibich saß am 1. Oktober genau ein Jahr auf dem Chefsessel
der Software AG. Seit seinem Amtsantritt ist viel beim SAP-Konkurrenten
passiert. Wir sprachen darüber mit dem Manager.
Instock:
Sie sind jetzt ein Jahr und eine Woche Vorstandsvorsitzender der Software
AG mit einer sehr guten Bilanz. Wie viel von dem Erfolg heften Sie sich
selber ans Revers?
Streibich:
Das ist alles eine Teamleistung unserer Leute. Das alles unter meiner
Führung, keine Frage. Für mich steht jedoch weniger die Frage,
wieviel ich mir ans Revers hefte, sondern mich interessiert, wo wir
stehen, was wir verbessert haben und wo wir noch hin müssen. Die
geschafften Verbesserungen liegen vor allem in der Kostenstruktur als
auch in auf der Umsatzseite. Hier sind wir sehr zufrieden. Das gilt
ebenfalls für die gesteigerte Akzeptanz unserer Strategie bei den
Kunden und bei unseren Mitarbeitern.
Instock:
Hintergrund der Frage war, daß der Erfolg viele Väter hat,
der Misserfolg bestimmt nur Ihnen angelastet worden wäre.
Streibich:
Ich übernehme die Verantwortung für beides.
Instock:
Sie haben das Unternehmen wieder in die Gewinnzone geführt. Wie
ist das bei gleichbleibenden Umsätzen möglich gewesen?
Streibich:
Erstens haben wir die Struktur des Umsatzes signifikant verändert.
Wir sind im Bereich der Application Management Services-Lizenz sehr
stark gewachsen. Das ist Umsatz mit sehr hoher Rendite. Rückläufig
war dagegen im Bereich Professional Services. Das ist ein Umsatzstrahl,
der relativ wenig Rendite abwirft. Weiterhin haben wir eine Ergebnisverbesserung
erreicht, weil wir unsere Kosteneinsparungen schneller und besser realisieren
haben, als von uns geplant.
Instock:
Kosteneinsparungen heißt vielfach nur Personalabbau. Auch bei
der Software AG?
Streibich:
Wir haben viele unterschiedliche Kosteneinspar-Maßnahmen durchgeführt.
Selbstverständlich mußten wir auch Personal abbauen, wo wir
die Mitarbeiter durch die Fokussierung auf zwei Produktlinie nicht mehr
gebraucht haben. Das ist leider so, wenn man zuvor vier oder fünf
Produktlinien hatte.
Instock:
Bleiben Sie bei den zwei Produktlinien oder sollen für die Software
AG neue Linien dazukommen?
Streibich:
Wir werden innerhalb dieser beiden Produktlinien neue Themenfelder erschließen.
Die Vertiefung und Verbreiterung dieser beiden Linien wird unser Innovationstreiber
für die kommenden Monate sein.
Instock:
Darin eingeschlossen ist auch die territoriale Ausdehnung, beispielsweise
nach Rußland und China?
Streibich:
Ja, wir werden in allen Dimensionen wachsen. Wir werden, wie schon gesagt,
unser Portfolio innerhalb der beiden Produktlinien verbreitern und vertiefen.
Zweitens werden wir uns geographisch ausweiten. Wir werden in Rußland,
in China und auch auf anderen Märkten neue Geschäfte entwickeln.
Drittens werden wir zunehmend Partnerschaften suchen, bei denen wir
mit unserer Technologie gemeinsam Geschäfte generieren.
Instock:
Ist es richtig, daß Rußland und China keine verlängerten
Software AG-Werkbänke sind, sonders daß sie dort Interessenten
für Ihre Produkte und Dienstleistungen suchen?
Streibich:
Wir wollen dort verkaufen. Für uns sind das neue und interessante
Märkte.
Instock:
Wie lange wird es dauern, bis sich diese Auslandsaktivitäten im
Ergebnis der Gesellschaft niederschlagen?
Streibich:
Das wissen wir heute nicht. Wir haben uns natürlich einen Dreijahresplan
gemacht, der aber recht konservativ ausgerichtet ist. Wir sind im Moment
dabei, herauszufinden, was aus unserer Sicht maximal möglich wäre.
Dann müssen wir ausbalancieren, welche Route wir gehen wollen,
die eher konservative oder die aggressivere.
Instock:
China ist ein Boommarkt an dem sich schon viele die Finger verbrannt
haben. Wie wollen Sie das verhindern?
Streibich:
In dem wir auf Sicht fahren. Wir werden unser Geschäft mit örtlichen
Partnern starten und so deren lokale Präsenz und Kompetenz nutzen.
Wir wollen den Markt, ausgehend von Shenzhen, Schritt für Schritt
für uns erschließen.
Instock:
Das klingt alles sehr positiv. Wie soll sich Umsatz und Gewinn der Software
AG mittelfristig entwickeln?
Streibich:
Mittelfristig haben wir vor, eine zweistellige Zuwachsrate zu erreichen.
Instock:
Bei gleichbleibender EBIT-Marge von 20 Prozent?
Streibich:
Je stärker wir das Wachstum treiben, umso mehr wird die Marge unter
Druck geraten. Das ist ja klar. Die Frage ist, wie stark man in die
finanzielle Vorleistung bei der Erschließung neuer Produkte und
Märkte.
Instock:
Wie stark gehen Sie in die Vorleistung?
Streibich:
Das hängt davon ab, wieviel Wachstum wir generieren wollen. Wir
meinen, daß wir eine zweistellige Wachstumsrate schaffen können
und das mit unseren prognostizierten Margen.
Instock:
Sie werden mit der Aussage zitiert, daß Sie der Zahlung einer
Dividende für 2004 sehr positiv gegenüberstehen. Geht es etwas
konkreter?
Streibich:
Es gibt noch keine Planzahl. Das wäre zu früh. Die werden
wir ermitteln, wenn wir das genaue Jahresendergebnis kennen.
Instock:
Sehen sie irgendwo Gefahren, daß die Planungen nicht erreicht
werden?
Streibich:
Nein. Theoretisch ist das zwar immer möglich, aber wir stehen zu
unseren Prognosen.
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