W.O.M.: "Haben keinen Cash-Abfluss mehr"
Die
W.O.M. World of Medicine AG (Prime Standard) mit Sitz in Ludwigsstadt
und einer Niederlassung in Berlin hat sich vor allem auf dem Gebiet
der Minimalinvasiven Chirurgie einen Namen gemacht. In den vergangenen
Jahren knirschte es heftig im Gebälk und rote Zahlen bestimmten
das Geschehen. Nun hat W.O.M. eine Kapitalerhöhung zur Wachstums-finanzierung
durchgeführt. Wir sprachen darüber mit Finanzvorstand Michael
Ott.
Instock:
Sie haben gerade eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Warum
haben Sie dabei die Aktionäre vom Bezugsrecht ausgeschlossen?
Ott:
Zum einen ermöglicht die Satzung genau diesen Ausschluss der Altaktionäre
für eine relativ kleine Kapitalerhöhung, weil dadurch enorme
Kosten entstehen würden. So haben wir wenige institutionelle Investoren,
die die Kapitalerhöhung übernommen haben. Es ist einfach deutlich
effizienter und es verwässert den bisherigen Aktionärsbesitz
nur ganz unwesentlich.
Instock
Auch im Hinblich auf die Verwässerung des Aktienbestandes der Altaktionäre
sehen Sie keine Probleme?
Ott:
Nein, da sehe ich keine.
Instock:
Brutto fließen Ihnen 2,416 Millionen Euro zu. Und netto?
Ott:
Die Kosten bewegen sich im üblichen Rahmen einer so kleinen Kapitalerhöhung.
Das wird im Vergleich zu brutto nur unwesentlich weniger sein. Wir haben
das alles sehr schlank organisiert.
Instock:
Laut Pressemitteilung soll das jetzt eingesammelte Kapital für
das weitere Wachstum im Bereich Minimalinvasive Chirurgie eingesetzt
werden. Können Sie das konkretisieren?
Ott:
Wir haben ja noch einen finanziellen Spielraum von 2 Millionen Euro
gehabt.
Instock:
Sie verbrennen ja auch immer noch Geld.
Ott:
In der Medizintechnik sind wir seit etlichen Monaten cash-positiv.
Instock:
In anderen Bereichen sieht es dafür schlechter aus.
Ott:
Auch im gesamten Unternehmen hält sich das in etwas seit einigen
Quartalen die Waage. Wir haben derzeit keinen Cash-Abfluss mehr.
Instock:
Vom ersten Quartal 2003 zum ersten Quartal 2004 haben Sie gut 300.000
Euro an liquiden Mitteln verbraucht.
Ott:
Wir liegen jetzt aber in etwa Cash ausgeglichen.
Instock:
Zur Verwertung der Mittel...
Ott:
Diese 2 Millionen Euro sind nicht gerade ein üppiger Spielraum,
um insbesondere das Medizingeschäft weiter nach vorn zu bringen.
Wir sind sehr gut unterwegs, was den asiatischen Markt betrifft. Das
hat ja das erste Quartal gezeigt. Wir haben im Rest der Welt 35 Prozent
Steigerung. Allein in China, wenn ich den Zeitraum von Januar bis Mai
betrachte, hatten wir 50 Prozent Plus gegenüber dem Vorjahreswert.
In den USA hatten wir 50 Prozent Plus auf US-Dollar-Basis. Wir wachsen
im Medizinmarkt recht gut. Das Geld aus der Kapitalerhöhung soll
uns ermöglichen, diese Aktivitäten auch weiter aufrechtzuerhalten
und nach vorne zu bringen.
Instock:
Damit ist die Frage, wofür Sie das Geld ausgeben wollen, noch nicht
beantwortet?
Ott:
Im wesentlichen soll das als „working Kapital“ für
diesen Bereich genutzt werden.
Instock:
Aus dem Bericht zum ersten Quartal 2004 geht hervor, dass der Bereich
IB Laser nicht läuft. Wollen Sie den in der kommenden Zeit schließen,
abstoßen oder zu einem profitablen Geschäft umwandeln?
Ott:
Es ist so, dass wir diesen Bereich unterstützen, um den Turnaround
wieder hinzubekommen. Ich gehe davon aus, dass wir im ersten Quartal
hier die absolute Talsohle erreicht hatten und wir mit den eingeleiteten
Maßnahmen auf dem Weg des operativen Turarounds sind. Unabhängig
davon sind wir dabei, diesen Kernbereich möglicherweise zu verkaufen.
Allerdings ist es auch klar, dass die derzeitige Marktsituation nicht
gerade freundlich für ein solches Vorhaben ist. Aber, die Verhandlungen
laufen.
Instock:
Sie schreiben noch rote Zahlen. Wann will W.O.M. wieder schwarz sehen?
Ott:
Wir arbeiten hart daran, operativ wieder schwarze Zahlen zu schreiben.
Dazu haben wir unsere Mitarbeiterzahl verringert, insgesamt die Kosten
reduziert und sehr gute Produkte, die vom Markt nachgefragt werden.
Das belegt auch unser sehr gut gefülltes Auftragsbuch. Wichtig
ist für uns, dass die Break-even-Schere enger wird.
Instock:
Der Juni ist vorbei, wie lief das zweite Quartal?
Ott:
Wir liegen beim Umsatz über dem des zweiten Quartals 2003 und über
dem des ersten Quartals 2004. Das gilt auch für das Ergebnis.
Instock:
Haben Sie Ihre eigenen Planvorgaben erreicht?
Ott:
Ja, wir liegen im Plan.
Instock:
Wie sieht die Ergebnis-Prognose für 2004 aus?
Ott:
Wir werden operativ im Plus sein.
Instock:
Und netto?
Ott:
Da auch. Allerdings bleibt das Risiko der schwankenden Wechselkurse
zwischen Euro und US-Dollar.
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