Stratec: "Quartalszahlen überraschten nicht"
Stratec
legte unlängst gute Zahlen für das erste Quartal 2004 vor.
Fast zeitgleich erhielt das Medizintechnik-Unternehmen früher als
erwartet die US-Zulassung für das vollautomatische Analysesystem
„Galileo“. Wir sprachen mit Finanzvorstand Marcus Wolfinger
über die Hintergründe des Booms beim Birkenfelder Unternehmen.
Instock:
Nachdem schon die Zahlen für 2003 über den Erwartungen lagen,
explodierte im ersten Quartal der Gewinn um 805 Prozent auf 507.000
Euro. Was ist passiert?
Wolfinger:
Die Quartalszahlen sind nichts, was uns überrascht.
Instock:
Sie lagen mit diesen Zahlen im Plan?
Wolfinger:
Die Quartalszahlen lagen über dem Plan, aber über einem konservativen
Plan. Wir haben ja schon immer gesagt, dass wir ein sehr langfristiges
Geschäftsmodell haben. Wir haben eine relativ gute Planungssicherheit
und wir haben und hatten sehr gute Projekte in der Entwicklung, die
jetzt eine entsprechende Abnahme finden.
Instock:
Die Galileo-Zulassung für die USA kam ja erst im zweiten Quartal.
Können sich Anleger noch einmal auf eine Gewinnexplosion einstellen?
Wolfinger:
Was den Gewinn betrifft, so haben wir einen sehr guten Degressionseffekt.
Dazu ist anzumerken, dass wir ein Entwicklungsunternehmen sind. Bei
uns arbeitet mehr als die Hälfte aller Mitarbeiter in der Produktentwicklung.
Aber je mehr Umsatz wir erzielen, um so weniger fällt dieser Kosten-block
in Betracht.
Instock:
Auch eine Umsatzsteigerung von knapp 55 Prozent im Quartal ist nicht
unbedingt üblich. Deshalb noch einmal: Können Anleger mit
einer ähnlichen Entwicklung im zweiten Quartal 2004 rechnen?
Wolfinger:
Wir haben noch keine Zahlen von unserem US-Partner Immucor, für
die wir ja Galileo entwickelt haben. Es fällt denen selbstverständlich
auch nicht so leicht, eine Zulassung, die ein halbes Jahr früher
kommt, in Marketing und Vertrieb umzusetzen. Wir sind aber optimistisch.
Zumindest was das Ende des zweiten Quartals betrifft.
Instock:
Was heißt das für das gesamte Jahr?
Wolfinger:
Es ist ja bekannt, dass wir bewusst darauf verzichtet haben, eine Prognose
für das Geschäftsjahr 2004 herauszugeben. Einfach, weil wir
einen sehr wichtigen Meilenstein am Ende dieses Jahres bei einem unserer
wichtigsten Entwicklungsprojekte haben. Der befindet sich aber nicht
ganz in unserem Einflussbereich. Das heißt, wir werden ein sehr
wichtiges Ereignis Ende 2004 oder, wenn es nicht so gut läuft,
gleich Anfang 2005 haben. Das wird eine maßgebliche Auswirkung
auf unsere Bilanz haben. Wir haben uns Ziele gesetzt und die Einschätzung
verschiedener Analysten bestätigt. Diese gehen für das laufende
Geschäftsjahr von einem Umsatz von mindestens 45 Millionen Euro
und von einem Ergebnis von mehr als 84 Cents je Aktie aus. Das ist kein
sehr aggressiver Ansatz.
Instock:
Inwiefern werden die Aktionäre an dieser Entwicklung beteiligt?
Wolfinger:
Es fällt uns schwer, uns an dieser Stelle festzulegen. Einfach
deshalb, weil wir in verschiedenen Vertragsverhandlungen mit Kunden
sind. Bei uns sollte der Aktionär langfristig mehr am Unter-nehmenswachstum
als an der Dividende partizipieren. Wir werden der Hauptversammlung
am 14. Mai aber die Zahlung einer Dividende für 2003 von 8 Cents
je Aktie vorschlagen.
Instock:
Ist die Stratec-Erfolgsstory einmalig oder kann man davon ausgehend
auf die gesamte Branche schließen?
Wolfinger:
Zunächst einmal ist unser Geschäftsmodell ein riesiger Ausnahmefall.
Das heißt, wir haben uns sehr stark auf die Diagnostikbranche
und auf das OEM-Geschäftsmodell fokussiert. Dann bieten wir verschiedene
Faktoren, die unseren Kunden einen zusätzlichen Nutzen bringen.
Diese Faktoren sind insbesondere im Zulassungsbereich zu sehen. So erstellen
wir die notwenigen Dokumentationen für unsere Kunden. Der andere
Faktor, der uns erfolgreich macht, ist die Reputation, die wir uns im
Markt erarbeitet haben.
Instock:
Wie geht es weiter?
Wolfinger:
Auf der monetären Seite haben wir eine Steigerung von 18 Prozent
ins Auge gefasst. Das würde für 2008 einen Umsatz von ungefähr
70 Millionen Euro implizieren. Das ist eine realistische Größe,
aber der Weg dahin ist weit und steinig. Dabei gehen wir von einem überproportionalen
Ergebnis aus. Einfach aufgrund der Degressionseffekte und weil wir sehr
beitragsstarke Produkte in der Entwicklung haben. Die nichtmonetäre
Seite spielt sich vorwiegend im strategischen Bereich ab. Wir wollen
eine OEM-Vereinbarung mit einem der Top drei aus der Diagnostik-Branche
abschließen. Ein weiteres strategisches Ziel ist, dass wir auch
in der Breite eine bekannte Größe werden. Im Augenblick ist
für den Endbenutzer kein Stratec-System erkenntlich. Bisher kennen
nur unsere Kunden die Stärken und Qualitäten von Stratec.
Beim Endnutzer steht das System unter einem anderen Namen.
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