Solarfabrik: "Jetzt funktioniert der Markt"
Die
Solarfabrik ist einer der größten deutschen Hersteller von
Photovoltaik-Modulen zur Gewinnung von Energie aus der Sonneneinstrahlung.
Das Unter-nehmen steigerte seinen Umsatz in den abgelaufenen drei Quartalen
um 95 Prozent auf 36,3 Millionen Euro und verließ mit einem Plus
von 0,5 Millionen Euro die Verlustzone. Der Kurs der Solarfabrik-Aktie
stieg innerhalb von zwölf Monaten von 3,10 auf 11,50 Euro. Wir
sprachen mit Finanzvorstand Christoph Paradeis über den Markt und
sein Unternehmen.
Frage:
Sie waren gerade in Singapur. Ein Routine-Besuch oder mehr?
Paradeis:
Es war ein Routine-Besuch. Ich habe mich mit Kunden getroffen.
Frage:
Nicht Ihre Reise nach Asien, die zuvor vorgelegten Quartalszahlen rückten
Sie wieder ins Gedächtnis der Anleger. Sie haben Umsatz und Gewinn
in einem Maß gesteigert, wie es nicht gerade üblich ist.
Wie kam es dazu?
Paradeis:
Die Bilanz ist das Produkt unsere bisherigen Anstrengungen. Wir sind
ja im Juli 2002 an die Börse gegangen. Das brachte frisches Kapital
ins Unternehmen, aber wir konnten 2002 und 2003 keine guten Ergebnisse
vorweisen. Das lag vor allem an der Marktsituation im allgemeinen und
im speziellen in der Kombination vom damaligen KfW 100.000-Dächer-Programm
und der Einspeis-vergütung. Dazu kam dann noch die Bundestagswahl
2002, die hier auch eine kleine Rolle spielte. Kurzum, der Markt hat
zur damaligen Zeit nicht funktioniert. Jetzt funktioniert er. Wir haben
heute eine Bilanzstruktur, die uns erlaubt, noch ohne Fremdkapital auszukommen.
Wir haben noch zwei Gesellschafter-Darlehen unserer Hauptgesellschafter,
doch auch die haben wir zumindest teilweise schon abbauen können.
Unsere Vorräte bewegen sich etwas über dem Niveau vom Jahresende
2003. Das liegt daran, daß wir heute vor allem Aluminiumteile
und Zellen mehr auf Vorrat kaufen. Man muß heute sehen, was man
bekommt. Der Markt ist in vielen Teilen eng geworden. Hier wirkt sich
aus, daß China doch sehr rührig ist.
Frage:
Geht die allgemeine Rohstoffknappheit nicht zu Lasten der Solarfabrik?
Paradeis:
Nein, die gesamten Zellenhersteller – die Zelle macht 80 Prozent
des Modulmaterials aus – hatten 2002 und 2003 ganz ansehnliche
Margen nehmen können. Der Markt war damals schwach auf der Abnehmerseite.
Darum mussten die Modulhersteller mit allem zufrieden sein, was ihnen
geboten wurde. Das hat sich 2004 gedreht. Dadurch wurden die Zellenhersteller
einem etwas höheren Druck ausgesetzt und mußten dann mit
ihren Preisen runtergehen. Damit ist 2004 alles in die Balance gekommen.
Jetzt paßt es für alle Teilnehmer der Lieferszene wieder
einigermaßen.
Frage:
Wo liegen für die Solarfabrik die aktuellen und die zukünftigen
Kernmärkte?
Paradeis:
Der aktuelle Kernmarkt ist der deutsche. In der Zukunft wird es der
europäische Markt sein. Aktuell warten wir ab, was sich in den
USA tut. Kalifornien hat etliche Programme gestartet und damit bisherige
Einspeisprogramme reaktiviert. Das Problem ist, daß Kalifornien
kein Geld hat. Dazu kommt, daß die USA nicht selbst über
einen potenten Zellen- oder Modulhersteller verfügt, nachdem die
insolvente Astro-Power von General Electric übernommen wurde. Jetzt
muß man erst einmal abwarten, was General Electric nun mit Astro-Power
vorhat. Damit sind die sozusagen die letzten Konkurrenten in den USA.
Frage:
Die Photovoltaik streitet sich im Bereich der erneuerbaren Energien
mit einer ganzen Reihe andere Anbieter. Erinnert sei nur an Bio- oder
Windkraftwerke. Wie ist die Marktentwicklung hier aus Ihrer Sicht?
Paradeis:
Wir streiten uns eigentlich nicht, wir ergänzen uns. Aus meiner
Sicht besteht die Energie-versorgung der Zukunft aus einem gesunden
Mix. Denn eine der erneuerbaren Energiearten, ob Wind, Biomasse oder
Photovoltaik, kann die Energieversorgung künftig nicht sicherstellen.
Von daher sind die anderen keine Wettbewerber, sondern wir ergänzen
uns recht gut.
Frage:
Wo liegen die Vorteile der Photovoltaik?
Paradeis:
Photovoltaikanlagen kann man, die Freiflächenanlagen mal nicht
berücksichtigt, heute auf unzähligen Dächern störungsfrei
und ohne Lärmemission relativ wartungsarm installieren. Damit kann
man vorhandene Stromnetze stabilisieren. Das ist ein nächstes Thema,
denn unsere Strom-netze in Deutschland und Europa sind dringend überarbeitungsfähig.
Da kann die Photovoltaik einen Beitrag leisten. Schon heute deckt die
Photovoltaik den Spitzenbedarf ganz gut ab.
Frage:
Wie hoch ist der Marktanteil der Photovoltaik?
Paradeis:
Die Photovoltaik hat in der Energieversorgung primär noch nicht
einmal einen Anteil von 1 Prozent. Noch spielt es nicht die Rolle. Die
Zukunft für die Photovoltaik ist aber da. Die Frage ist nur: Ist
die Zukunft heute schon da oder beginnt sie erst in zehn Jahren?
Frage:
Wenn man auf die deutschen Dächer blickt, so liegt die Zukunft
noch in weiter Ferne. Es gab ja mal ein Förderprogramm...
Paradeis:
Das gibt es immer noch. Das ist ja genau der riesige Vorteil. Wir hatten
früher das 100.000-Dächer-Programm, mit dem die Anlage finanziert
wurde. Dazu kam die Einspeisvergütung. Damals sah das Gesetz eine
Vergütung von 99 Pfennig je Kilowattstunde vor. Das Programm ist
zum 30.6.2003 erschöpft gewesen. Dann wurde ein Ersatz im Rahmen
eines novellierten EEG geschaffen. Damit sollten die Vorteile des Programms
über die Einspeisvergütung teilweise mit abgedeckt werden.
Damit haben wir heute eine klare Situation. Der Kunde bestellt die Anlage,
lässt sie installieren und abnehmen. Ab dem Tag der Abnahme bekommt
er dann die Einspeisvergütung.
Frage:
Wieso sieht man noch immer so verhältnismäßig wenig
Photovoltaikanlagen auf deutschen Dächern?
Paradeis:
Das da nicht viel passierte, lag daran, daß der Markt 2002 und
2003 fast inaktiv war. Jetzt ist er sehr aktiv, was man vor allem im
Süddeutschen auf den Dächern schon sehen kann. Wir können
eigentlich gar nicht so viele Module herstellen, wie wir verkaufen sollen.
Das liegt auch daran, daß in der gesamten Lieferkette der Rohmaterialien
zwei Jahre kaum etwas passierte. Die Kapazitäten sind zwar erweitert
worden, aber nicht in dem heute erforderlichen Maß. Jetzt ist
jeder an der Kapazitätsgrenze angekommen. Das gilt für die
Wafer ebenso wie für die Zelle und die Module. Nun ist man in der
Situation, daß jeder für sich bestimmen muß, welche
Investitionen er in welcher Größenordnung und in welchem
Zeitrahmen vornehmen will.
Frage:
Wie beantwortet die Solarfabrik für sich diese Frage?
Paradeis:
Nicht nur wir, sondern die gesamte Branche muß investieren. Das
geht ganz weit vorn in der Kette, schon beim Silizium, los.
Frage:
Da wird in absehbarer Zeit auch frisches Kapital benötigt?
Paradeis:
Es wird in allen Bereichen frisches Kapital benötigt.
Frage:
Angesichts der Tatsache, daß sich der Kurs von Solarfabrik in
relativ kurzer Zeit mehr als verdreifacht hat, dürfte das für
Sie kein Problem sein. Oder sieht das der Finanzchef anders?
Paradeis:
Das hängt vom Kapitalmarkt im allgemeinen und von den Vorlieben,
die die Branche bei den Anlegern genießt im besonderen ab. Wenn
man das im Moment betrachtet, sieht alles sehr glänzend aus. Doch
die Kapitalmärkte sind noch nicht so stabil, wie sie es vor zwei
Jahren schon einmal waren und die Investoren sind andererseits sicherheitsbewusster
geworden. Man muß nun sehen, ob der Markt zur Stabilität
zurückkommt oder ob es erneut zu Restriktionen kommt. Dann hätte
der Kapitalmarkt erneut keinen Blick für irgendwelche Werte.
Frage:
Diese allgemeine Skepsis betrifft auch die Solarfabrik?
Paradeis:
Ich denke, derzeit betrifft das unser Unternehmen nicht. Wir sind da
optimistisch, doch wir können genauso wenig wie jeder andere in
die Zukunft blicken.
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