Stratec: „Alle Indikatoren sagen weiteres Wachstum voraus“
Im
Gespräch mit Stratec-Vorstandschef Marcus Wolfinger ging es nicht
nur um die Planzahlen 2005. Stratec Biomedical Systems projektiert,
entwickelt und produziert vollautomatische Systeme für klinische
Diagnostik und Biotechnologie.
Instock:
Bei Stratec fällt die Dividende immer relativ dünn aus. Wozu
benötigen Sie soviel Kapital?
Wolfinger:
Wir haben schon immer eine auf Wachstum ausgelegte Investitionspolitik
betrieben. In unserer Branche gibt es Unternehmen, die sich rühmen,
12 Prozent des Umsatzes in die Entwicklung zu stecken. Bei uns gab es
Jahre, in denen wir 50 Prozent des Umsatzes dafür aufgewendet haben.
Aktuell sind es 30 Prozent. An diesem Beispiel wird deutlich, wofür
wir das Geld ausgeben. Wir wollen darüber hinaus Kapital für
zukünftige Wachstumschancen, die wir im Moment noch nicht sehen,
im Unternehmen belassen.
Instock:
An welche Wachstumschancen denken Sie?
Wolfinger:
Wir haben hier zwei Felder: Das eine Feld der Neukunden. Das andere
sind mögliche Zukäufe. Wir betreiben keine explizite Akquisitionspolitik,
sind jedoch nicht abgeneigt, uns mit dem Thema auseinanderzusetzen,
wenn wir das richtige Objekt erblicken.
Instock:
Sie sind sowohl an Zukauf von Markt als auch von Know-how interessiert?
Wolfinger:
Selbstverständlich.
Instock:
Kommen wir nochmals zu den vorgelegten Zahlen. Sie hatten im ersten
Quartal ein Gewinnplus von 805 Prozent.
Wolfinger:
Der Gewinn ist nur im Vergleich mit dem unüblichen ersten Quartal
2003 so hoch ausgefallen. Dies, obwohl das erste Quartal 2003 schon
deutlich besser ausgefallen war, als das in 2002. Damals hatten wir
noch einen sehr starken saisonalen Verlauf. 2004 haben wir diese Quartals-unterschiede
durch logistische Maßnahmen nivelliert. Insofern sollte man das
erste Quartal 2004 nicht als Ausreißer, sondern als ein historische
Gegebenheit sehen.
Instock:
In einem früheren Gespräch wollten Sie für 2004 keinen
Ausblick geben und verwiesen auf einen möglichen Meilenstein im
vergangenen Jahr. Sind Sie 2004 auf diesen Brocken gestoßen?
Wolfinger:
Nein, noch nicht.
Instock:
Kommt der 2005?
Wolfinger:
Ja, der wird Auswirkungen auf den laufenden Umsatz haben und kein Einmaleffekt
sein, wie vielleicht vermutet wird.
Instock:
Wird das noch im ersten Quartal zu spüren sein?
Wolfinger:
Derzeit ist der Meilenstein noch nicht erreicht. Wenn das der Fall ist,
wird man von uns hören. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Instock:
Geben Sie bei diesen Unsicherheiten für 2005 eine Planung heraus?
Wolfinger:
Wir haben ja unsere Planung für das durchschnittliche jährliche
Wachstum. Das ist allerdings inzwischen etwas überholt, muß
ich eingestehen. Wir gehen von einem sehr ordentlichen Jahr 2005 aus.
Instock:
Was heißt sehr ordentlich?
Wolfinger:
Nach dem außerordentlich guten 2004-Ergebnis und einem vielleicht
etwas schwächeren 2005-Ergebnis würden wir wieder genau in
unsere Langfristplanung liegen.
Instock:
So schlimm wird es doch nicht werden , da kommt ja noch der Meilenstein.
Wolfinger:
Alle Indikatoren, die wir haben, sagen weiteres Wachstum voraus. Es
wird wohl nicht schlechter werden als 2004. Dennoch ändern wir
unsere Prognose nicht. Geplant sind 45 Millionen Umsatz und 84 Cents
Gewinn je Aktie.
Instock:
Wenn Sie sich mit der 2005-Prognose auch etwas schwer tun, werden Sie
sicherlich zur mittelfristigen Prognose etwas mehr sagen können?
Wolfinger:
Da halten wir an unserer bisherigen Prognose fest. Doch es ist selbstverständlich
schwieriger, auf den heutigen Vorsteuergewinn nochmals 30 Prozent draufzulegen,
als das beispielsweise 2003 war. Deswegen halten wir an unseren sehr
ambitionierten und sportlichen Wachstumsprognosen fest. Man wird sich
schwer tun, ein Unternehmen zu finden, dass 2003 für die kommenden
fünf Jahren ein durchschnittliches 30-prozentiges Wachstum beim
Vorsteuergewinn und ein 18-prozentiges Umsatzplus pro Jahr angekündigt
hat.
Instock:
Was macht Stratec gegenüber der Konkurrenz so stark, daß
Sie eine solche Prognose wagen konnten?
Wolfinger:
Unsere hohe Planungssicherheit. Wir schließen normalerweise mit
unseren Kunden sogenannte Erschließungs- und Lieferverträge.
Wir haben bei Entwicklungsphasen von etwa 36 Monaten einen ziemlich
guten Planungshorizont über die kommenden drei bis vier Jahre.
Dazu kommen die ebenfalls längerfristig feststehenden Mindestabnahmemengen.
Ich glaube nicht, daß vergleichbare Unternehmen einen solchen
Planungshorizont aufweisen können.
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