Essanelle: "Sind unterbewertet"
Mit
mehr als 570 Filialen, 4000 Mitarbeitern und 7 Millionen Kunden-besuchen
jährlich zählt die Essanelle Hair Group AG zu den größten
Friseurunternehmen Deutschlands. Wir sprachen mit dem Vorstandschef
des im General Standard gelisteten Unternehmens, Uwe Grimminger, über
Gegenwart und Zukunft des Düsseldorfer Unternehmens.
Instock:
Sie haben vor wenigen Tagen Quartalszahlen vorgelegt. Daraus geht hervor,
dass im Haupt-geschäftsbereich „Essanelle – Ihr Friseur“
der Umsatz rückläufig ist. Macht vor diesem Hinter-grund ihre
Mehrmarkenstrategie überhaupt Sinn?
Grimminger:
Die Rückläufigkeit bei unserer Hauptmarke „Essanelle“
ist auch darin begründet, dass wir einige Salons auf andere Konzepte
umgestellt haben. Der zweite Grund ist, dass wir einige Mietverträge
aufgelöst haben. Das heißt, die Anzahl der Salons in diesem
Konzeptbereich ist auch etwas zurückgegangen. Dabei haben wir selbstverständlich
in Kauf genommen, dass der Umsatz etwas rückläufig ist. Ein
dritte Punkt ist, dass wir seit etwa 2002 stärker auf die Kosten
geachtet haben. Das vor allem in diesem Bereich. Wir haben auch in Kauf
genommen, dass durch das Aus-scheiden von Mitarbeitern der eine oder
andere Umsatz ausbleibt. Es ist einfach so, dass auch der schlechteste
Friseur noch Stammkunden hat, die ausbleiben, wenn sein Friseur nicht
mehr da ist. Das sind die Ursachen für den Umsatzrückgang.
Das hat nichts damit zu tun, dass die Konzepte nicht mehr erfolgreich
sind.
Instock:
Soll der Trend, weg von der Marke „Essanelle“ hin zu anderen
Konzepten, fortgesetzt werden?
Grimminger:
Ich muß das andersherum formulieren. Nach wie vor ist „Essanelle“
der Golf in unserer Konzept-Palette. Der wird auch über Jahre hinaus
der stärkste Bereich sein. Das durchaus mit entsprechenden Margen.
Wir bauen aber um „Essanelle“ herum andere Salonkonzepte
auf, um andere Kunden zu erreichen. So sprechen wir mit „Super
Cut“ die etwas jüngere Schiene an. Beim Konzept „Hair
Express“ stellen wir ganz klar den Preis in den Vordergrund, während
wir mit unserem Franchise-Konzept eher die Avantgardisten ansprechen.
Das bedeutet aber keine Abkehr vom traditionellen Essanelle-Konzept.
Instock:
Mit dem „Golf“-Segment wollen Sie auch weiter wachsen?
Grimminger:
Da werden wir moderat wachsen. Sicherlich hatten wir zum Börsengang
hier ein stärkeres Wachstum geplant. Die Entwicklung war nicht
so, wie wir es gedacht haben. Auch der Börsengang war nicht so
erfolgreich, wie ursprünglich gedacht. Es ist weniger Geld in die
Kasse geflossen, was unsere Möglichkeiten eingeschränkt hat.
Deshalb haben wir uns in den vergangenen Jahren zurückgehalten.
Wir mussten uns auch zurückhalten wegen der Situation am Verbrauchermarkt.
Die Kunden sind nicht in dem Maße gekommen, wie geplant. Aufgrund
der ausgebliebenen Mittel und der schwächeren Ergebnisse haben
wir uns darauf konzentriert, Teile unserer Finanzverbind-lichkeiten
abzubauen. Wir teilen unseren erwirtschafteten Cash-flow. Die eine Hälfte
verwenden wir zur Rückführung von Finanzverbindlichkeiten
und die andere für weitere Investitionen. Dabei fließen die
Mittel in der Tat eher in die jungen Konzepte.
Instock:
In diesen Segmenten wollen Sie neue Salons aufbauen?
Grimminger:
Da werden wir weiter neue Salons aufbauen. Das werden wir auch in diesem
und im kommenden Jahr so machen.
Instock:
Sie haben bereits auf die schlechte Marktsituation hingewiesen. Die
ermöglicht es für jemand, der etwas Geld auf der Kante hat,
Konkurrenten einzukaufen. Gibt es entsprechende Pläne?
Grimminger:
Im Moment nicht. Wir konzentrieren uns auf neue Standorte. Da haben
wir entsprechende Miet-verträge bereits unterzeichnet. Allerdings
wird an dieser Stelle von relativ langer Hand geplant. Es werden heute
Standorte angeboten, die werden erst in ein, zwei Jahren eröffnet.
Daher können wir auch Wachstum, wenn auch moderates, schon jetzt
voraussagen.
Instock:
Sie setzen nach wie vor auf Standorte wie große Bahnhöfe
oder Shopping-Center?
Grimminger:
Das sind vor allem Shopping-Center.
Instock:
Sie sprechen immer von moderatem Wachstum. Ihre Planung für 2004
mit 1 Prozent Wachstum liegt noch unter der Inflationsrate. Ist das
nicht de facto kein Wachstum?
Grimminger:
Dabei muß man sehen, dass wir dieses Wachstum mit deutlich weniger
Personal schaffen und dadurch gleichzeitig unser Ergebnis verbessern.
Auch unser Cash-flow wird dadurch deutlich besser. Allerdings haben
wir für dieses Jahr in der Tat kein großes Wachstum unterstellt.
Instock:
Wie sieht es mittelfristig aus?
Grimminger:
Mittelfristig wollen wir schon wieder ein bisschen zulegen. Das hängt
auch davon ab, was an Geld rein kommt. Allerdings muß man auch
wissen, dass der Markt im vergangenen Jahr um 4 Prozent rückläufig
war. Diese Tendenz setzt sich auch in diesem Jahr fort. Unter dem Gesichtspunkt
ist 1 Prozent sicherlich kein riesiges Wachstum, aber immerhin Wachstum.
Instock:
Die Investoren scheinen Essanelle positiver zu sehen, als Sie selbst,
wenn man sich die Kursentwicklung betrachtet. Wie zufrieden sind Sie
mit der Börsenentwicklung von Essanelle?
Grimminger:
Ich halte uns nach wie für unterbewertet – ganz eindeutig.
Instock:
Wo sehen Sie die Essanelle AG fair bewertet?
Grimminger:
Wir führen in diesem Jahr unsere Finanzverbindlichkeiten um 8 Millionen
Euro zurück. 8 Millionen Euro bei etwa 4 Millionen Aktien müsste
demnach der Kurs rein rechnerisch bis zum Jahresende noch um 2 Euro
steigen. Ob der Markt immer so mitspielt, sei dahingestellt. Diese Tendenz
setzen wir fort. Von daher habe ich mittelfristig keine Bedenken, dass
wir zumindest den Kurs erreichen, dem wir zum Börsengang hatten.
Der lag bei knapp 7 Euro.
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