QSC: "2006 sind Nettogewinne möglich"
QSC
ist neben dem Branchen-Primus Telekom einer der wenigen Telekommunikations-dienstleister
mit eigenem Breitband-Leitungsnetz. Wir sprachen mit Finanzvorstand
Markus Metyas über die wirtschaftlichen Perspektiven dieser Technologie.
Instock:
QSC setzt sehr stark auf die Breitbandtechnologie. Wann wird sich diese
Fokussierung in Gewinnen niederschlagen?
Metyas:
Aus unserer Sicht muß man den Breitbandmarkt in zwei Bereiche
strukturieren und geschäfts-mäßig angehen. Der eine
ist der Privatkundenmarkt für Breitbandanbindungen. Das sind die
drei bis vier Millionen T-DSL-Nutzer. Die zahlen durchschnittlich zwischen
10 und 35 Euro im Monat hauptsächlich an die Telekom und die City-Carrier.
Der andere ist der Breitbandmarkt für Geschäftskunden. Das
ist unser Markt. Die beiden Märkte unterscheiden sich stark sowohl
vom vertrieblichen Ansatz her, von der Kundentreue, von den Margen und
vom Anspruch an die Qualität. Unseren Markt, den Geschäftkundenmarkt
für Breitbandanbindungen, sehen wir sehr positiv. Das hat im wesentlichen
mit folgenden Faktoren zu tun: Der erste Faktor ist, dass es die von
uns angebotenen Breitbandanbindungen erlauben, Datenanbindungen für
Geschäftskunden um die Hälfte günstiger bereitzustellen,
als das traditionelle Lösungen vermocht haben. So wurden traditionell
bei Unternehmen mit mehreren Filialen Mietleitungsnetzwerke geschaltet.
Wir machen IT-basierte Netzwerke mit der genannten Kostenersparnis bei
gleichzeitiger Qualitätsver-besserung.
Zweiter Punkt: Die Unternehmen in Deutschland stehen
unter enormen Kostendruck. Dem kommen wir entgegen. Die Unternehmen
gehen immer mehr dazu über, speziell im gehobenen und anspruchsvollen
Dienstleistungssektor, mehr und mehr Mitarbeiter von zu Hause arbeiten
zu lassen. Dazu braucht es sichere Daten- und Kommunikationsanbindungen,
die in das Unter-nehmensnetzwerk eingebunden sind. Auch ein großer
Wachstumsmarkt.
Instock:
Spricht dagegen nicht, dass Sie bisher ihre Breitbandtechnologie in
Ballungszentren, und dort nicht einmal flächendeckend, anbieten?
Denn die hochbezahlten Heimarbeiter wohnen ja sehr häufig im Speckgürtel
der Städte.
Metyas:
Wie bieten für Geschäftskunden, nicht für Privatkunden,
unsere Dienstleistungen bundesweit an. Das heißt, wir haben in
58 Städten eigene Technologie. Dabei decken wir in etwa 40 Städten
das Gebiet zu fast 100 Prozent ab und in den anderen 18 zumindest die
Innenstadtbereiche und Ballungszentren. Wir können aber für
Geschäftskunden bei einer Berlikomm, einer Colt oder auch der Telekom
Leitungen dazu kaufen und diese in einem Bündelpaket anbieten.
Ein Beispiel: Wenn ich zu Siemens sage, ich schließe eure 300
Softwareentwickler ans Unternehmensnetz an. Ob die in Gauting, in Niederbayern
oder im Zentrum Münchens wohnen, spielt keine Rolle, weil ich das
in einer Mischkalkulation mit eigener Netzwerkabdeckung hinbekomme oder
Leitungen dazukaufe.
Instock:
Sie denken bei Geschäftskunden an große Unternehmen, weniger
an den Klein- und Mittelstand?
Metyas:
Das, was ich eben erläutert habe, rechnet sich nur für Unternehmen
mit mehreren Filialen und mindestens 500 Mitarbeitern.
Instock:
Fällt in diesen Rahmen auch die Entscheidung, als Wiederverkäufer
für Telekom-Leitungen aufzutreten?
Metyas:
Genau, wir waren ja die ersten, die einen entsprechenden Vertrag unterschrieben
haben – noch vor United Internet. Wir hatten es nur nicht als
erste publiziert. Da, wo wir eine kritische Masse an Kunden und noch
keine Netzwerkabdeckung haben, sind wir in der Lage, ein eigenes Netz
aufzubauen. So ist es in Trier. Dort habe ich sechs Großkunden,
die ich mit Fremdleitungen an das QSC-Netz angebunden habe.
Instock:
Verdienen Sie als Wiederverkäufer von Leitungen oder läuft
das eher kostenneutral?
Metyas:
Ich verdiene dabei noch Geld. Allerdings wesentlich weniger, als bei
meinen eigenen Leitungen. Das ist der Grund, warum ich für jeden
Kunden individuell kalkulieren muß. Aber, wenn ich 50 eigene Standorte
und 50 fremde habe, verdiene ich immer noch sehr auskömmlich
Instock:
Stichwort Verdienst: Noch fehlt bei QSC netto einiges an der schwarzen
Null. Wann wird sich das eben Gesagte in deutlichen Gewinnen niederschlagen?
Metyas:
Das kann ich steuern. Wir machen jetzt etwa 140 Millionen Euro Umsatz.
Wenn ich nun das Wachstum etwas begrenze, wenn ich nicht zusätzliche
Kosten speziell im Vertrieb aufbaue, kann ich in drei Quartalen ein
positives Ergebnis ausweisen kann.
Instock:
Das wäre ja kontraproduktiv.
Metyas:
Richtig, deshalb müssen wir eine vernünftige Balance finden.
Sicherlich ist ein positives Nettoergebnis erstrebenswert. Aber für
uns ist es wichtig, ein positives operatives Ergebnis zu erreichen und
Bargeld zu verdienen. Gleichzeitig wollen wir stark wachsen. Wenn ich
wegen des starken Wachstums statt drei Quartale vielleicht fünf
oder sechs Quartale brauche, bis ich ein positives Nettoergebnis ausweise,
ist das aus meiner Sicht eine richtige Entscheidung, wenn in dieser
Phase wirklich Umsatzwachstum und Marktanteilsgewinne realisiert werden
können. Ich glaube, dass es in zwei Jahren schwerer wird, Marktanteile
zu gewinnen.
Instock:
Das klingt, als ob der Aktionär mit einer Dividende rechnen kann?
Metyas:
Das kann ich nicht sagen. Beschlüsse über Dividendenzahlungen
fassen andere. Ich kann aber sagen, dass 2006 auch mit dieser Wachstumsperspektive
Nettogewinne möglich wären.
Instock:
Viele Unternehmen haben auf die so hoch gelobte UMTS-Technik gesetzt
und scheinen damit jetzt auf die Nase zu fallen. Gibt es Befürchtungen,
dass so etwas mit der Breitband-Technologie auch passieren kann oder
glauben Sie sich da auf der sicheren Seite?
Metyas:
Da sind wir absolut auf der sicheren Seite. Erstens kam die UMTS-Technik
vielleicht etwas früh. Selbst jetzt ist noch nicht so richtig klar,
warum der Konsument UMTS braucht. Zweitens wird die Datenübertragung
verzehnfacht, doch ich glaube nicht, dass der Kunde bereits ist, dafür
auch das Zehnfache zu bezahlen. Im Festnetzbereich ist der Vorteil dagegen
klar gegeben. Das ist zum einen die Versechzehn- oder Verzwanzigfachung
der Geschwindigkeit im Vergleich zu ISDN. Zweitens ist die Entscheidung
zwischen DSL und Breitbandkabel zugunsten des Breitbandkabels gefallen.
Darüber gibt es auch keine ernsthaften Diskussionen mehr, weil
die Kabel-Infrastruk-turen, über die DSL läuft, in den Händen
von Finanzinvestoren sind. Die haben nicht die Vision, das Kabelnetz
als Telekommunikationsmedium auszubauen, sondern transportieren wie
bisher Fernseh- oder andere Medieninhalte. Dazu kommt, dass das Kabelnetz
in Deutschland nicht rückkanalfähig ist. Aus diesem Grund
sehe ich unsere Technologie in Deutschland ohne Konkurrenz.
Instock:
Bisher sprachen wir nur von der Bereitstellung der Breitbandzugänge
an sich. Welche zusätzlichen Dienstleistungen will QSC über
dieses Medium anbieten?
Metyas:
Wir haben vor mehr als vier Jahren begonnen, ein Breitbandnetz aufzubauen.
Vor etwa zwei Jahren haben wir begonnen, hochwertige Dienstleistungen
für den Geschäftskunden einzuführen. Seit einem halben
Jahr gibt es bei uns eine eigene Geschäftseinheit, die auf dem
Rücken dieser Breitbanddienstleistungen für Geschäftskunden
nahestehende Zusatzleistungen anbietet. Darunter fällt zum Beispiel
das gesamte Sicherheitsmanagement. Wenn ich einem Kunden die Dienstleistungen
eines Breitbandnetzes verkaufe, verkaufe ich ihm ja auch dem Service.
Ich manage das Netz für ihn. Eine weitere wichtige Anwendung ist
die IT-Telefonie, die sich auf dieser Breitbandanbindung selbstverständlich
anbietet. Viele unsere Kunden, die heute Netzwerke über uns betreiben
lassen, telefonieren schon intern auf IT-Basis. Viele unsere Privatkunden
telefonieren auch schon extern auf IT-Basis. Für die Geschäftskunden
werden wir die externe IT-Telefonie in den nächsten zwei Quartalen
anbieten.
Instock:
Darin liegt also das zweite Zukunftsstandbein von QSC?
Metyas:
Das ist ein ganz logisches Aufsteigen in der Wertschöpfungskette.
www.instock.de