06.07.04  Instock-Interview - QSC AG (WKN: 513700)

QSC: "2006 sind Nettogewinne möglich"

QSC HomepageQSC ist neben dem Branchen-Primus Telekom einer der wenigen Telekommunikations-dienstleister mit eigenem Breitband-Leitungsnetz. Wir sprachen mit Finanzvorstand Markus Metyas über die wirtschaftlichen Perspektiven dieser Technologie.

Instock:
QSC setzt sehr stark auf die Breitbandtechnologie. Wann wird sich diese Fokussierung in Gewinnen niederschlagen?

Metyas:
Aus unserer Sicht muß man den Breitbandmarkt in zwei Bereiche strukturieren und geschäfts-mäßig angehen. Der eine ist der Privatkundenmarkt für Breitbandanbindungen. Das sind die drei bis vier Millionen T-DSL-Nutzer. Die zahlen durchschnittlich zwischen 10 und 35 Euro im Monat hauptsächlich an die Telekom und die City-Carrier. Der andere ist der Breitbandmarkt für Geschäftskunden. Das ist unser Markt. Die beiden Märkte unterscheiden sich stark sowohl vom vertrieblichen Ansatz her, von der Kundentreue, von den Margen und vom Anspruch an die Qualität. Unseren Markt, den Geschäftkundenmarkt für Breitbandanbindungen, sehen wir sehr positiv. Das hat im wesentlichen mit folgenden Faktoren zu tun: Der erste Faktor ist, dass es die von uns angebotenen Breitbandanbindungen erlauben, Datenanbindungen für Geschäftskunden um die Hälfte günstiger bereitzustellen, als das traditionelle Lösungen vermocht haben. So wurden traditionell bei Unternehmen mit mehreren Filialen Mietleitungsnetzwerke geschaltet. Wir machen IT-basierte Netzwerke mit der genannten Kostenersparnis bei gleichzeitiger Qualitätsver-besserung.

Zweiter Punkt: Die Unternehmen in Deutschland stehen unter enormen Kostendruck. Dem kommen wir entgegen. Die Unternehmen gehen immer mehr dazu über, speziell im gehobenen und anspruchsvollen Dienstleistungssektor, mehr und mehr Mitarbeiter von zu Hause arbeiten zu lassen. Dazu braucht es sichere Daten- und Kommunikationsanbindungen, die in das Unter-nehmensnetzwerk eingebunden sind. Auch ein großer Wachstumsmarkt.

Instock:
Spricht dagegen nicht, dass Sie bisher ihre Breitbandtechnologie in Ballungszentren, und dort nicht einmal flächendeckend, anbieten? Denn die hochbezahlten Heimarbeiter wohnen ja sehr häufig im Speckgürtel der Städte.

Metyas:
Wie bieten für Geschäftskunden, nicht für Privatkunden, unsere Dienstleistungen bundesweit an. Das heißt, wir haben in 58 Städten eigene Technologie. Dabei decken wir in etwa 40 Städten das Gebiet zu fast 100 Prozent ab und in den anderen 18 zumindest die Innenstadtbereiche und Ballungszentren. Wir können aber für Geschäftskunden bei einer Berlikomm, einer Colt oder auch der Telekom Leitungen dazu kaufen und diese in einem Bündelpaket anbieten. Ein Beispiel: Wenn ich zu Siemens sage, ich schließe eure 300 Softwareentwickler ans Unternehmensnetz an. Ob die in Gauting, in Niederbayern oder im Zentrum Münchens wohnen, spielt keine Rolle, weil ich das in einer Mischkalkulation mit eigener Netzwerkabdeckung hinbekomme oder Leitungen dazukaufe.

Instock:
Sie denken bei Geschäftskunden an große Unternehmen, weniger an den Klein- und Mittelstand?

Metyas:
Das, was ich eben erläutert habe, rechnet sich nur für Unternehmen mit mehreren Filialen und mindestens 500 Mitarbeitern.

Instock:
Fällt in diesen Rahmen auch die Entscheidung, als Wiederverkäufer für Telekom-Leitungen aufzutreten?

Metyas:
Genau, wir waren ja die ersten, die einen entsprechenden Vertrag unterschrieben haben – noch vor United Internet. Wir hatten es nur nicht als erste publiziert. Da, wo wir eine kritische Masse an Kunden und noch keine Netzwerkabdeckung haben, sind wir in der Lage, ein eigenes Netz aufzubauen. So ist es in Trier. Dort habe ich sechs Großkunden, die ich mit Fremdleitungen an das QSC-Netz angebunden habe.

Instock:
Verdienen Sie als Wiederverkäufer von Leitungen oder läuft das eher kostenneutral?

Metyas:
Ich verdiene dabei noch Geld. Allerdings wesentlich weniger, als bei meinen eigenen Leitungen. Das ist der Grund, warum ich für jeden Kunden individuell kalkulieren muß. Aber, wenn ich 50 eigene Standorte und 50 fremde habe, verdiene ich immer noch sehr auskömmlich

Instock:
Stichwort Verdienst: Noch fehlt bei QSC netto einiges an der schwarzen Null. Wann wird sich das eben Gesagte in deutlichen Gewinnen niederschlagen?

Metyas:
Das kann ich steuern. Wir machen jetzt etwa 140 Millionen Euro Umsatz. Wenn ich nun das Wachstum etwas begrenze, wenn ich nicht zusätzliche Kosten speziell im Vertrieb aufbaue, kann ich in drei Quartalen ein positives Ergebnis ausweisen kann.

Instock:
Das wäre ja kontraproduktiv.

Metyas:
Richtig, deshalb müssen wir eine vernünftige Balance finden. Sicherlich ist ein positives Nettoergebnis erstrebenswert. Aber für uns ist es wichtig, ein positives operatives Ergebnis zu erreichen und Bargeld zu verdienen. Gleichzeitig wollen wir stark wachsen. Wenn ich wegen des starken Wachstums statt drei Quartale vielleicht fünf oder sechs Quartale brauche, bis ich ein positives Nettoergebnis ausweise, ist das aus meiner Sicht eine richtige Entscheidung, wenn in dieser Phase wirklich Umsatzwachstum und Marktanteilsgewinne realisiert werden können. Ich glaube, dass es in zwei Jahren schwerer wird, Marktanteile zu gewinnen.

Instock:
Das klingt, als ob der Aktionär mit einer Dividende rechnen kann?

Metyas:
Das kann ich nicht sagen. Beschlüsse über Dividendenzahlungen fassen andere. Ich kann aber sagen, dass 2006 auch mit dieser Wachstumsperspektive Nettogewinne möglich wären.

Instock:
Viele Unternehmen haben auf die so hoch gelobte UMTS-Technik gesetzt und scheinen damit jetzt auf die Nase zu fallen. Gibt es Befürchtungen, dass so etwas mit der Breitband-Technologie auch passieren kann oder glauben Sie sich da auf der sicheren Seite?

Metyas:
Da sind wir absolut auf der sicheren Seite. Erstens kam die UMTS-Technik vielleicht etwas früh. Selbst jetzt ist noch nicht so richtig klar, warum der Konsument UMTS braucht. Zweitens wird die Datenübertragung verzehnfacht, doch ich glaube nicht, dass der Kunde bereits ist, dafür auch das Zehnfache zu bezahlen. Im Festnetzbereich ist der Vorteil dagegen klar gegeben. Das ist zum einen die Versechzehn- oder Verzwanzigfachung der Geschwindigkeit im Vergleich zu ISDN. Zweitens ist die Entscheidung zwischen DSL und Breitbandkabel zugunsten des Breitbandkabels gefallen. Darüber gibt es auch keine ernsthaften Diskussionen mehr, weil die Kabel-Infrastruk-turen, über die DSL läuft, in den Händen von Finanzinvestoren sind. Die haben nicht die Vision, das Kabelnetz als Telekommunikationsmedium auszubauen, sondern transportieren wie bisher Fernseh- oder andere Medieninhalte. Dazu kommt, dass das Kabelnetz in Deutschland nicht rückkanalfähig ist. Aus diesem Grund sehe ich unsere Technologie in Deutschland ohne Konkurrenz.

Instock:
Bisher sprachen wir nur von der Bereitstellung der Breitbandzugänge an sich. Welche zusätzlichen Dienstleistungen will QSC über dieses Medium anbieten?

Metyas:
Wir haben vor mehr als vier Jahren begonnen, ein Breitbandnetz aufzubauen. Vor etwa zwei Jahren haben wir begonnen, hochwertige Dienstleistungen für den Geschäftskunden einzuführen. Seit einem halben Jahr gibt es bei uns eine eigene Geschäftseinheit, die auf dem Rücken dieser Breitbanddienstleistungen für Geschäftskunden nahestehende Zusatzleistungen anbietet. Darunter fällt zum Beispiel das gesamte Sicherheitsmanagement. Wenn ich einem Kunden die Dienstleistungen eines Breitbandnetzes verkaufe, verkaufe ich ihm ja auch dem Service. Ich manage das Netz für ihn. Eine weitere wichtige Anwendung ist die IT-Telefonie, die sich auf dieser Breitbandanbindung selbstverständlich anbietet. Viele unsere Kunden, die heute Netzwerke über uns betreiben lassen, telefonieren schon intern auf IT-Basis. Viele unsere Privatkunden telefonieren auch schon extern auf IT-Basis. Für die Geschäftskunden werden wir die externe IT-Telefonie in den nächsten zwei Quartalen anbieten.

Instock:
Darin liegt also das zweite Zukunftsstandbein von QSC?

Metyas:
Das ist ein ganz logisches Aufsteigen in der Wertschöpfungskette.

www.instock.de