IDS Scheer: "Wir sind Patrioten"
IDS
Scheer legte vor wenigen Tagen die Zahlen für das erste Quartal
vor. Der Spezialist für Softwarelösungen für Geschäftsprozesse
aus dem Saarland ent-täuschte auch dieses Mal die Anleger und Analysten
nicht. Wir sprachen mit den Vorstands-sprechern Helmut Kruppke und Ferri
Abolhassan über die weiteren Perspektiven des Unternehmens.
Instock:
Das erste Quartal ist für IDS Scheer ganz gut gelaufen. Wie zufrieden
sind Sie mit der Unternehmensentwicklung bisher?
Abolhassan:
Sehr zufrieden.
Kruppke:
Wir liegen derzeit voll auf Linie. Wenn man sich ansieht, wie der Markt
allgemein aussieht und wir, dann kann man 45 Prozent Umsatzwachstum
durchaus vorzeigen. Auch bei unseren Integrations-anstrengungen sind
wir auf einem guten Weg. Es könnte viel schlimmer aussehen. Wenn
man sich beispielsweise Compaq und Hewlett-Packard ansieht. Die sind
schon zufrieden, dass sie nun gemeinsam nach zwei Jahren immerhin 92
Prozent des ehemaligen HP-Umsatzes machen.
Instock:
Welcher Quartalsumsatz stammt aus dem organischen IDS-Geschäft
und welcher von den zugekauften Töchtern?
Kruppke:
Das kann man einfach nicht mehr sagen. Dazu passt sehr gut dieser Ciba
Vision-Deal.
Instock:
Warum?
Kruppke:
Das ist ein Beweis für die Synergie zwischen Plaut und IDS Scheer.
Ciba Vision ist ein ehemaliger Plaut-Kunde, der aber nicht weiter auf
Plaut setzen wollte. Nach der Übernahme sagt das Unternehmen nun,
IDS gibt der Sache Zusammenhalt und die sind die Prozesskönige.
So konnten wir den Auftrag gewinnen. Das sind jetzt die Synergien, nach
denen wir gesucht haben.
Instock:
Im Ausland lief Ihr Geschäft hervorragend. Anders in Deutschland.
Sind Sie dennoch mit dem Deutschlandgeschäft zufrieden?
Abolhassan:
Es kann immer besser sein. Wir sind aber deshalb zufrieden, weil es
wieder aufwärts geht.
Instock:
Aufwärts?
Abolhassan:
Es ist nicht zu bestreiten, dass wir 2003 einen leichten Geschäftsrückgang
hatten. Dabei muß man sehen, dass die Konjunkturlage in Deutschland
2003 besonders schwierig war. Wir sind jetzt wieder auf dem umgekehrten
Weg. Es geht wieder aufwärts. Im vierten Quartal 2003 waren wir
wieder auf Wachstumskurs. Den wollen wir 2004 fortsetzen – auch
in einem schwierigen Marktumfeld. Wir gehen davon aus, dass es in unserer
Branche in diesem Jahr trotz aller Konjunkturprognose-Senkungen ein
Wachstum geben wird. Wir werden noch darüber liegen.
Instock:
Der große Wachstumsmotor ist und bleibt das Auslandsgeschäft?
Kruppke:
Von den Konjunkturdaten her werden wir kein großes Wachstum in
Deutschland sehen. Doch wir werden auch hier wachsen.
Instock:
Welche Auswirkungen wird für IDS Scheer die EU-Erweiterung in Richtung
Osten und Süden haben?
Abolhassan:
Wir werden dadurch weniger Hemmnisse beim grenzüberschreitenden
Austausch von Service-Leistungen haben. Wir haben auch schon grenzüberschreitenden
Service, wo Leute aus Osteuropa in Deutschland Leistungen erbringen.
Das ist keine Einbahnstraße, sondern wird auch in umgekehrter
Richtung praktiziert. Das wird für uns insgesamt jetzt leichter.
Wir haben auch keine Befürchtungen, wie das vielleicht bei anderen
ist, dass die Grenze aufgeht, weil wir schon längst jenseits der
Grenze arbeiten. Noch ein Wort zu Deutschland: Wir werden in den nächsten
Quartalen auch hier ein Wachstumskurs bei IDS sehen. Was wir auch sehen
können, ist eine EBIT-Marge von fast 20 Prozent in Deutschland.
Instock:
Werden Sie weitere Kapazitäten in Richtung Osten verlagern?
Kruppke:
Wir machen heute bereits im positiven Sinne Geschäfte mit dem Thema
Outsourcing dadurch, dass wir unsere Entwicklungsabteilung dahin auslagern.
Ich denke, insofern sind wir dem Produktionsstandort Deutschland auch
treu. Wir nutzen aber die Ressourcen, die wir in Osteuropa und in Deutschland
haben, um Kunden ganzheitlich zu bedienen. Das heißt, dass wir
in einem Projekt Mitarbeiter einsetzen können, die zu sehr günstigen
Herstellungs- und Produktionskosten gewisse Teilaufgaben übernehmen.
Damit können wir das Gesamtprojekt viel billiger gestalten. Insofern
machen wir von diesem Thema Osten sehr wohl Gebrauch. Aber nicht in
dem Sinne, dass wir als Unternehmen gewisse Teile nach Osten auslagern.
Im Sinne einer Schröderschen Definition sind wir keine Bösen.
Abolhassan:
Wir sind Patrioten.
Instock:
Wieso ist im Ausland Ihre EBIT-Marge wesentlich niedriger?
Kruppke:
Wir haben eine 7,2 Prozent-EBIT-Marge im Ausland. Das sind im ersten
Quartal bereits drei Prozent mehr als 2003. Wir haben ja gesagt, dass
wir diesen Wert sukzessive steigern wollen. Da liegen wir voll im Plan.
Vor vier Jahren war unser Auslandsengagement ein riesiges Verlustgeschäft.
Dann haben wir vor zweieinhalb Jahren den Break-even erreicht. 2002
stand dann schon ein kleinerer, 2003 ein größerer Gewinn
in den Büchern. Jetzt ziehen wir die EBIT-Marge 2004 auf 8 und
im kommenden Jahr auf mehr als 10 Prozent hoch. Dann haben wir die angekündigte
lange Strecke hinter uns, weil wir dann auf Gruppenniveau sind. Dass
wir mit den 7,2 Prozent schon im ersten Quartal den geplanten 8 Prozent
so nahe kommen, hätte ich nie gedacht.
Instock:
Auffällig sind auch ihre sehr gut gefüllten Auftragsbücher.
Wieso heben Sie vor diesem Hintergrund Ihre Prognose nicht an?
Abolhassan:
Der Auftragsbestand ist wesentlich besser als vor einem Jahr. Doch das
heißt nicht automatisch, dass die Prognose erhöht werden
muß. Ich habe jetzt einfach eine größere Reichweite,
kann einfach weiter ins Jahr hineinblicken.
Instock:
Wie sieht Ihre Prognose für das laufende Quartal aus?
Abolhassan:
Wir haben keine Prognose. Wir sagen nur, dass das zweite Quartal ein
weiterer Baustein auf der Treppe hin zu diesen Umsatzzuwächsen
von insgesamt 30 Prozent in der gesamten Gruppe und zur EBIT-Marge von
mindestens 12 Prozent.
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