04.05.04  Instock-Interview - IDS Scheer AG (WKN: 625700)

IDS Scheer: "Wir sind Patrioten"

IDS Scheer HomepageIDS Scheer legte vor wenigen Tagen die Zahlen für das erste Quartal vor. Der Spezialist für Softwarelösungen für Geschäftsprozesse aus dem Saarland ent-täuschte auch dieses Mal die Anleger und Analysten nicht. Wir sprachen mit den Vorstands-sprechern Helmut Kruppke und Ferri Abolhassan über die weiteren Perspektiven des Unternehmens.

Instock:
Das erste Quartal ist für IDS Scheer ganz gut gelaufen. Wie zufrieden sind Sie mit der Unternehmensentwicklung bisher?

Abolhassan:
Sehr zufrieden.

Kruppke:
Wir liegen derzeit voll auf Linie. Wenn man sich ansieht, wie der Markt allgemein aussieht und wir, dann kann man 45 Prozent Umsatzwachstum durchaus vorzeigen. Auch bei unseren Integrations-anstrengungen sind wir auf einem guten Weg. Es könnte viel schlimmer aussehen. Wenn man sich beispielsweise Compaq und Hewlett-Packard ansieht. Die sind schon zufrieden, dass sie nun gemeinsam nach zwei Jahren immerhin 92 Prozent des ehemaligen HP-Umsatzes machen.

Instock:
Welcher Quartalsumsatz stammt aus dem organischen IDS-Geschäft und welcher von den zugekauften Töchtern?

Kruppke:
Das kann man einfach nicht mehr sagen. Dazu passt sehr gut dieser Ciba Vision-Deal.

Instock:
Warum?

Kruppke:
Das ist ein Beweis für die Synergie zwischen Plaut und IDS Scheer. Ciba Vision ist ein ehemaliger Plaut-Kunde, der aber nicht weiter auf Plaut setzen wollte. Nach der Übernahme sagt das Unternehmen nun, IDS gibt der Sache Zusammenhalt und die sind die Prozesskönige. So konnten wir den Auftrag gewinnen. Das sind jetzt die Synergien, nach denen wir gesucht haben.

Instock:
Im Ausland lief Ihr Geschäft hervorragend. Anders in Deutschland. Sind Sie dennoch mit dem Deutschlandgeschäft zufrieden?

Abolhassan:
Es kann immer besser sein. Wir sind aber deshalb zufrieden, weil es wieder aufwärts geht.

Instock:
Aufwärts?

Abolhassan:
Es ist nicht zu bestreiten, dass wir 2003 einen leichten Geschäftsrückgang hatten. Dabei muß man sehen, dass die Konjunkturlage in Deutschland 2003 besonders schwierig war. Wir sind jetzt wieder auf dem umgekehrten Weg. Es geht wieder aufwärts. Im vierten Quartal 2003 waren wir wieder auf Wachstumskurs. Den wollen wir 2004 fortsetzen – auch in einem schwierigen Marktumfeld. Wir gehen davon aus, dass es in unserer Branche in diesem Jahr trotz aller Konjunkturprognose-Senkungen ein Wachstum geben wird. Wir werden noch darüber liegen.

Instock:
Der große Wachstumsmotor ist und bleibt das Auslandsgeschäft?

Kruppke:
Von den Konjunkturdaten her werden wir kein großes Wachstum in Deutschland sehen. Doch wir werden auch hier wachsen.

Instock:
Welche Auswirkungen wird für IDS Scheer die EU-Erweiterung in Richtung Osten und Süden haben?

Abolhassan:
Wir werden dadurch weniger Hemmnisse beim grenzüberschreitenden Austausch von Service-Leistungen haben. Wir haben auch schon grenzüberschreitenden Service, wo Leute aus Osteuropa in Deutschland Leistungen erbringen. Das ist keine Einbahnstraße, sondern wird auch in umgekehrter Richtung praktiziert. Das wird für uns insgesamt jetzt leichter. Wir haben auch keine Befürchtungen, wie das vielleicht bei anderen ist, dass die Grenze aufgeht, weil wir schon längst jenseits der Grenze arbeiten. Noch ein Wort zu Deutschland: Wir werden in den nächsten Quartalen auch hier ein Wachstumskurs bei IDS sehen. Was wir auch sehen können, ist eine EBIT-Marge von fast 20 Prozent in Deutschland.

Instock:
Werden Sie weitere Kapazitäten in Richtung Osten verlagern?

Kruppke:
Wir machen heute bereits im positiven Sinne Geschäfte mit dem Thema Outsourcing dadurch, dass wir unsere Entwicklungsabteilung dahin auslagern. Ich denke, insofern sind wir dem Produktionsstandort Deutschland auch treu. Wir nutzen aber die Ressourcen, die wir in Osteuropa und in Deutschland haben, um Kunden ganzheitlich zu bedienen. Das heißt, dass wir in einem Projekt Mitarbeiter einsetzen können, die zu sehr günstigen Herstellungs- und Produktionskosten gewisse Teilaufgaben übernehmen. Damit können wir das Gesamtprojekt viel billiger gestalten. Insofern machen wir von diesem Thema Osten sehr wohl Gebrauch. Aber nicht in dem Sinne, dass wir als Unternehmen gewisse Teile nach Osten auslagern. Im Sinne einer Schröderschen Definition sind wir keine Bösen.

Abolhassan:
Wir sind Patrioten.

Instock:
Wieso ist im Ausland Ihre EBIT-Marge wesentlich niedriger?

Kruppke:
Wir haben eine 7,2 Prozent-EBIT-Marge im Ausland. Das sind im ersten Quartal bereits drei Prozent mehr als 2003. Wir haben ja gesagt, dass wir diesen Wert sukzessive steigern wollen. Da liegen wir voll im Plan. Vor vier Jahren war unser Auslandsengagement ein riesiges Verlustgeschäft. Dann haben wir vor zweieinhalb Jahren den Break-even erreicht. 2002 stand dann schon ein kleinerer, 2003 ein größerer Gewinn in den Büchern. Jetzt ziehen wir die EBIT-Marge 2004 auf 8 und im kommenden Jahr auf mehr als 10 Prozent hoch. Dann haben wir die angekündigte lange Strecke hinter uns, weil wir dann auf Gruppenniveau sind. Dass wir mit den 7,2 Prozent schon im ersten Quartal den geplanten 8 Prozent so nahe kommen, hätte ich nie gedacht.

Instock:
Auffällig sind auch ihre sehr gut gefüllten Auftragsbücher. Wieso heben Sie vor diesem Hintergrund Ihre Prognose nicht an?

Abolhassan:
Der Auftragsbestand ist wesentlich besser als vor einem Jahr. Doch das heißt nicht automatisch, dass die Prognose erhöht werden muß. Ich habe jetzt einfach eine größere Reichweite, kann einfach weiter ins Jahr hineinblicken.

Instock:
Wie sieht Ihre Prognose für das laufende Quartal aus?

Abolhassan:
Wir haben keine Prognose. Wir sagen nur, dass das zweite Quartal ein weiterer Baustein auf der Treppe hin zu diesen Umsatzzuwächsen von insgesamt 30 Prozent in der gesamten Gruppe und zur EBIT-Marge von mindestens 12 Prozent.

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