IDS Scheer: "Haben ein sehr gutes Jahr"
IDS
Scheer, einst eine universitäre Ausgründung, decken heute
das gesamte Spektrum der IT-Beratung ab. Doch auch ein international
erfolgreiches Unternehmen leidet unter der Investitionszurückhaltung
in Deutschland und darüber hinaus. Die Vorlage der Quartalszahlen
wurde nun durch eine Umsatzreduzierung getrübt. Wir sprachen darüber
mit den Vorstandssprechern Ferri Abolhassan und Helmut Kruppke.
Instock:
Die Ad-hoc-Mitteilung zu den Neun-Monatszahlen war gelinde gesagt etwas
unübersichtlich und die Zahlen für das dritte Quartal fehlten
völlig. Warum?
Kruppke:
Wir haben kontinuierlich die Neun-Monatszahlen berichtet, ähnlich
wie wir zum Halbjahr die Halbjahreszahlen veröffentlichten. Selbstverständlich
sind die Quartalszahlen im offiziellen Neun-Monatsbericht ausgewiesen.
Den gibt es beispielsweise auf unserer Internetseite.
Instock:
Was auch in der Ad-hoc fehlte, war der Vergleich der Zahlen mit der
eigenen Planung. Wie nahe sind Sie mit den Neun-Monatszahlen Ihren eigenen
Vorgaben gekommen?
Abolhassan:
Was wir ausgewiesen haben, war die Planung für das Gesamtjahr.
Dazu haben wir Stellung bezogen, sowohl zum EBITDA als auch zum Umsatz.
Für das Quartal oder den Berichtszeitraum haben wir keine extra
ausgewiesenen Planzahlen.
Instock:
Liegen Sie mit den vorgelegten Zahlen in Linie, eingedenk der Tatsache,
daß Sie etwas weniger umsetzen wollen?
Abolhassan:
Wir liegen jetzt genau im Plan, um diese leicht angepaßte Jahresplanung
zu erreichen.
Kruppke:
Es wird sicherlich im vierten Quartal in Summe eine leichte Abweichung
geben. Beispielsweise werden die Währungseffekte – eine der
Hauptkomponenten, die zur leichten Korrektur unserer Umsatzerwartung
führten – da hineinstrahlen. Die kennen wir selbstverständlich
schon länger, doch wirken sie sich dann aus.
Instock:
Welche Schlußfolgerung ziehen Sie für das kommende Jahr daraus,
daß Sie bei Ihrer Planung bezüglich der Währungseffekte
etwas zu optimistisch waren?
Kruppke:
Ich kann nicht sagen, daß ich nach dem Währungsverlauf dieses
Jahres nun von einem extrem hohen Euro ausgehen werde. Damit kann man
dann genauso danebenliegen. Damit würde man zwar Puffer aufbauen,
aber von einer soliden Planung ist man dann auch weit weg.
Abolhassan:
Wir verlassen uns bei der Währungsproblematik nicht auf eigene
Spekulationen. Das ist ja nicht unsere Kernkompetenz. Wir verlassen
uns auf die Konsens-Schätzungen der Bankhäuser.
Instock:
Weiterhin ist davon die Rede, daß Kunden Projekte verschoben haben.
Das macht in etwa 10 Millionen Euro Umsatz aus. Sind die Projekte noch
eher kurzfristig zu realisieren oder mehrheitlich bis zum Sankt-Nimmerleinstag
verschoben?
Abolhassan:
Das ist natürlich eine Grauzone, wie sie jede Prognose enthält.
Man kann die Zukunft nun einmal nicht vorhersehen. Die einzelnen Fälle
sind höchst unterschiedlich gelagert und wir sprechen hier nicht
von einem Markttrend. Das heißt keinesfalls, IDS verliert Marktanteile.
Ganz im Gegenteil, IDS gewinnt Marktanteile. Denn mit 24 Prozent Wachstum
sind wir immer noch ein deutlicher Outperformer.
Kruppke:
Wir reden darüber, daß wir uns noch ehrgeiziger bei einigen
Projekten einsetzen müssen. Wir reden mit Sicherheit nicht darüber,
daß wir uns in irgendeinem Negativkanal befinden. Das gilt sowohl
regional, als auch branchenbezogen. Sicherlich kann es passieren, daß
einige dieser Fälle, die verschoben wurden, in einigen Tagen wieder
mit voller Kraft vorangetrieben werden. Das ist schwer vorherzusehen,
weil auch die Unternehmen mit solchen Überraschungen nicht absichtlich
aufgewartet haben.
Instock:
Sie sprachen eingangs Ihre 2004-Jahresplanung an. Darin fehlen die Vorgaben
für den Nettogewinn. Warum behalten Sie diese unter Verschluß?
Abolhassan:
Wir haben schon einen Ausblick auf den Nettogewinn gegeben. Wir haben
gesagt, daß der signifikant steigen wird.
Kruppke:
Wir haben zum Zweiten gesagte, daß er auf die neun Monate berechnet
bereits um 18 Prozent gestiegen ist und das wir keine Indikatoren haben,
daß da im vierten Quartal irgendetwas reduziert wird.
Instock:
In vielen Wirtschaftsbereichen gilt das vierte Quartal als besonders
stark. Ist das bei IDS Scheer ebenfalls so?
Abolhassan:
Ja, normalerweise ist das vierte bei uns ein starkes Quartal. Wir haben
allerdings in dieser vorgenommenen Korrektur auch mögliche Risiken
berücksichtigt.
Instock:
Das vierte Quartal ist bereits einen Monat alt. War dieser konservative
Ansatz, die Umsatzprognose um 5 Prozent zu senken, richtig oder läuft
das Quartal besser als befürchtet?
Kruppke:
Wenn wir jetzt wüßten, ob wir zu konservativ geplant haben,
hätten wir das bei der Meldung der Neun-Monatszahlen sicherlich
berücksichtigt. Ich denke, daß ist insgesamt eine sehr leichte
Reduzierung unseres ursprünglichen Ansatzes. Wir reden ja nicht
davon, daß wir die Schwelle von Wachstum und Nicht-Wachstum mit
der leichten Reduzierung überschreiten würden. Wir haben immer
noch ein sehr großes Wachstum und deshalb haben wir seit der Veröffentlichung
der Prognose und heute keine Neuigkeiten.
Abolhassan:
Man muß klar sagen, der Oktober ist gut gelaufen. Wir reden jetzt
darüber, ob wir im vierten Quartal 75 Millionen Euro Umsatz erzielen
oder mehr. Auch bei 75 Millionen Euro kann man nicht sagen, daß
das nicht eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorquartalen
ist. Richtig ist allerdings auch, daß wir unsere Planung lieber
übertreffen wollen, aber wir können das heute nicht bestätigen.
Sonst hätten wir die Anpassung nicht machen müssen. Wir meinen
aber, daß wir mit 24 Prozent Umsatzwachstum in jedem Fall ein
sehr gutes Jahr haben.
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