Eckert & Ziegler: "Wir können Krebs heilen"
Die
Eckert & Ziegler AG beschäftigt sich mit der Entwicklung und
Herstellung von schwach radioaktiven Strahlenquellen, vor allem für
Krebs- und Herzheilmittel. Hauptkunden sind internationale Medizingerätehersteller
und Kliniken. In deren Auftrag übernimmt die Gruppe die Entwicklung,
Erprobung, Herstellung und Markteinführung neuer, schwach radioaktiver
Produkte. Wir sprachen mit dem Vorstand-vorsitzenden des Berliner Unternehmens
Andreas Eckert.
Instock:
In einem Pressegespräch äußerten Sie: „Wer uns
nicht kennt, hat etwas versäumt.“ Was hat der versäumt?
Eckert:
Uns gibt es jetzt seit fünf Jahren und wird waren jedes Jahr profitabel.
Wir haben Dividenden ausgeschüttet und ein Aktien-Rückkaufprogramm
aufgelegt. Wir wachsen in den kommenden Jahren mit mindestens zweistelligen
Zuwachsraten. Wir werden 2004 mehr als 20 Prozent wachsen und 2005 auch
in dieser Größenordnung. Wir bewegen uns in einer tollen
Nische.
Instock:
Was ist an Ihrer Nische so toll?
Eckert:
Wir bewegen uns in einer Nische, die nur von wenigen besetzt werden
kann. Es gibt einfach sehr hohe Markteintrittsbarrieren auf der technologischen
Seite. Die Technik mit radioaktiven Stoffen hat hohe Kapitalkosten und
eine sehr überschaubare Szene.
Instock:
In welcher Szene bewegt sich Eckert & Ziegler?
Eckert:
Unser Thema ist die Strahlentherapie und wir behandeln Krebs. Krebs
kann man nur schneiden, vergiften oder bestrahlen. Wir sind im dritten
Segment zu Hause. Dieses Segment wird weiter wachsen, weil einfach die
Zahl der Krebsfälle in den kommenden zehn und mehr Jahren zunimmt.
Das allein aufgrund der demographischen Entwicklung.
Instock:
Das bedeutet für das Unternehmen?
Eckert:
Wenn man ein Management hat, dass nicht völlig blöd ist und
man sich mit einer profitablen Position in verschiedenen Nischen bewegt,
wird man mit dem Markt mitwachsen. Dazu kommt, dass wir als global aufgestelltes
Unternehmen in mehreren Nischen Weltmarktführer sind. Wenn man
dann jedes Jahr nicht unbedingt 150 Prozent zulegt, aber doch solide
zweistellig wächst, ist das auch für den Anleger eine interessante
Sache.
Instock:
Hat das angekündigte Wachstum von 20 Prozent seine Ursache vor
allem im organischen Wachstum oder eher in Akquisitionen?
Eckert:
Teils, teils. Einerseits ist es das organische Wachstum. Das stützt
sich vor allem auf unsre Implantate zur Behandlung von Prostata-Krebs.
Hier sind wir in Europa eines der führenden Unternehmen. Hier haben
wir einen relativ steilen Wachstumspfad vor uns, weil im Gegensatz zu
den USA in Europa dieses Verfahren noch relativ wenig angewandt wird.
Wenn der Markt dort wächst, werden wir mitwachsen. Das ist der
große Schub organisch. Der zweite Schub beim organischen Wachstum
kommt aus den ganzen bildgebenden Verfahren. Wir sind dabei Hersteller
einer kleinen, aber ganz zentralen Komponente, nämlich der Strahlenquelle.
Der ganze Markt für die bildgebenden Verfahren wächst im Jahr
um durchschnittlich mehr als 10 Prozent. Der wird auch weiter anziehen,
weil man mit diesen Verfahren viel mehr Dinge machen kann, als mit anderen.
Von daher bekommen wir den zweiten Schub. Diese beiden organischen Säulen
tragen uns weiter. Wenn man dazu sieht, dass wir einen sehr starken
Cash-flow haben, dass wir über liquide Mittel in Höhe eines
Drittels des Jahresumsatzes verfügen, dann haben wir eine Kriegkasse,
bei der wir un auf Nischen-Akquisitionen konzentrieren können.
Instock:
So teuer sind ja diese Nischen-Unternehmen auch nicht?
Eckert:
Das stimmt. Wir fahren hier eine Resteverwerterstrategie. Diese ganze
Strahlenbranche ist oftmals ein Kind der Nachkriegszeit. Das heißt,
die Biotechs der fünfziger Jahre waren Atom und Strahlen. Die sind
heute alle in reiferen Märkten und oftmals in der Situation, in
der sie ein Exit brauchten oder sich konsolidieren wollen. Wenn man
dann starke Positionen hat, sammelt man da ein. Dass haben wir gerade
mit zwei Unternehmen gezeigt, die wir von Schering und einem Lübecker
Unternehmen gekauft haben. Das sind Hersteller von Bestrahlungsgeräten,
auch für Krebs. Im Grunde haben wir die für einen Apfel und
ein Ei bekommen. Wir nehmen dann die Unternehmen und zerlegen sie. So
schließen wir deren Standorte in Paris und Lübeck und ziehen
alles nach Berlin. Hier haben wir dann denselben Umsatz mit der Hälfte
der Mannschaft. Das wird man in den 2004-Zahlen noch nicht so deutlich
sehen, weil wir noch einen gewissen Doppel-aufwand haben. 2005 wollen
wir dann schon Spaß daran haben.
Instock:
Besteht noch mehr Lust auf Übernahmen?
Eckert:
Wir sehen uns weiter um. Wenn sich etwas bietet, dass vom Profil her
passt, sind wir da. Aber jetzt in der Branche einzusammeln, ist wunderbar.
Denn das können nur Leute, die in dieser Branche zu Hause sind.
Da sind wir aber nun mal ein starker Fisch.
Instock:
Sie haben vor kurzem Ihre geringe Marktkapitalisierung von etwa 30 Millionen
Euro bedauert. Liegt darin für Sie ein gravierendes Problem?
Eckert:
Das macht die Akquisition noch schwieriger. Wir müssen tatsächlich
Barmittel einsetzen. Mir wäre es viel lieber, wenn ich bei diesen
Akquisitionszügen meine Aktien einsetzen könnte. Aber bei
30 Millionen Euro ist das schwierig. Wenn ich unseren Barbestand von
10 Millionen Euro abziehe, ist das ganze Geschäft nur 20 Millionen
Euro wert. Wenn ich dann auch noch sehe, dass wir im vergangenen Jahr
28 Cents Gewinn je Aktie erzielt haben. In diesem Jahr werden es 40
Cents und wir haben eine Eigenkapitalquote von etwa 65 Prozent. Ich
wünsche mir eine bessere Marktkapitalisierung, um das noch stärker
für Akquisitionen nutzen zu können.
Instock:
Was können Sie selber dafür tun?
Eckert:
Bimmeln, bimmeln, bimmeln.
Instock:
Vor etwa einem Jahr notierte Eckert & Ziegler an der Börse
bei etwa 3,30 Euro. Damals priesen Sie die Aktie als gutes Investment
an. Zum Zeitpunkt dieses Interviews steht der Kurs bei 9,90 Euro. Soll
man immer noch Anteilsscheine von Eckert & Ziegler kaufen?
Eckert:
Ja, schon aufgrund unseres prognostizierten Wachstums. Es gibt noch
verschiedene andere Aktivitäten und wir sind in der Antikörperentwicklung
aktiv. Über diesen Bereich haben wir zwar lange nichts mehr gemeldet,
aber es läuft. Die vorklinischen Versuche sind sehr erfolgreich
abgeschlossen worden. Wir können Krebs heilen. Leider bisher nur
an Mäusen. Wir bemühen uns jetzt darum, einen Partner zu finden.
Ich bin optimistisch, jemand zu finden, an den wir das lizensieren können.
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