Bmp: „Wollen oben mitspielen“
Die
Berliner Beteiligungsgesellschaft bmp fiel in der vergangenen Zeit durch
eine Reihe von Meldungen auf. Wir sprachen darüber mit Vorstand
Oliver Borrmann.
Instock:
In letzter Zeit häufen sich die Meldungen aus Ihrem Haus. Sie gehen
an die Warschauer Börse, werden in den LPX Europe Index aufgenommen,
vereinbaren eine Zusammenarbeit mit König & Cie und übernehmen
die TFG zum Teil. Was passiert da gerade bei bmp?
Borrmann:
Es stimmt, die Meldungen drängten sich in den vergangenen Tagen
und Wochen. Dahinter steht, dass sich die Venture Capital-Branche 2004
in Deutschland endlich wieder gefangen hat. Wir haben dies beispielsweise
Ende vergangenen Jahres zum Anlaß genommen, uns über eine
Kapitalerhöhung etwas besser zu kapitalisieren. 2005 wollen wir
bmp ganz gezielt wieder vergrößern. Dazu dient beispielsweise
die Partnerschaft mit König & Cie im Fondsbereich und dazu
dient auch die Beteiligung an unserem ehemaligen Konkurrenten TFG.
Instock:
Wieso sind Sie bei TFG gleich in den Vorstand eingestiegen?
Borrmann:
Der Grund ist, dass wir das Investment nicht als eine 12,5-Prozent Finanzanlage
betrachten, sondern uns nur beteiligt haben, weil wir so die Möglichkeit
haben, dort aktiv ins Management zu gehen. So können wir die Beteiligung
aktiv entwickeln.
Instock:
Wollen Sie den bmp-Anteil an TFG weiter ausbauen?
Borrmann:
Wir werden in den kommenden Monaten mit Sicherheit prüfen, inwieweit
es Sinn macht, daß beide Unternehmen komplett zusammengeführt
werden. Dann würde logischerweise unser Anteil an TFG auch erhöht.
Instock:
Wie sieht der weitere Weg einer möglicherweise vereinigten bmp-TFG
aus?
Borrmann:
Mittelfristig ist das Ziel, in Deutschland wieder eine richtig große
Venture-Capital-Gesellschaft am Kapitalmarkt zu haben. Groß bedeutet
für uns eine Marktkapitalisierung von mehr als 100 Millionen Euro.
Das hatten TFG und bmp vor Jahren bereits. Wir wollen dahin zurückkommen,
um so für institutionelle Investoren wieder interessant zu werden.
Groß heißt auch, mehr als 50 Beteili-gungen im Portfolio
zu haben. Auf diesem Weg kommt man auch zu einer gewissen Ergebnis-verstätigung.
Man ist dann auch in der Lage, dem Markt laufende Erträge zu zeigen
und in relativ engen Abständen ein „Exit“ zu machen.
Mit einem kleineren Portfolio gelingt das kaum. Wir wollen auch eine
Gesellschaft aufbauen, die breiter aufgestellt ist und nicht nur von
Exit-Erlösen abhängig ist. Wir denken hier vor allem an Einnahmen
aus dem Management von Drittfonds.
Instock:
Bedeuten diese Pläne, dass Sie in Deutschland die Marktführerschaft
anstreben?
Borrmann:
Die Marktführerschaft im deutschen Venture-Capital-Markt ist schwer
zu definieren. Es gibt einige nichtbörsennotierte größere
Fonds, beispielsweise TVN in München, die mehrere Fonds im dreistelligen
Millionenbereich managen. Um da hinzukommen, braucht man sehr lange.
Unser Ziel ist, in der Führungsgruppe der deutschen Venture-Capital
-Firmen mitzuspielen. Wir werden unter die Top-10 kommen, aber sicherlich
nicht die Größten am Markt sein. Dazu müsste man auch
eine 3i wegboxen.
Instock:
Sie sprachen die Verkäufe an. Sind aus Ihrem Portfolio heraus auch
Börsengänge in Vorbe-reitung?
Borrmann:
Wir haben eine kleine Beteiligung an der Jerini AG. Die hat ja schon
verkündet, dass sie 2005 in Richtung Kapitalmarkt gehen möchte.
Ansonsten gibt es keine aktuellen Aspiranten. Wir raten unseren Unternehmen
auch nicht zu einem Börsengang. Durch die neuen Gesetze und Regularien
in Deutschland lohnt sich ein Börsengang erst bei einer Kapitalisierung
von deutlich mehr als 100 Millionen Euro und nicht mehr für diese
kleineren Gesellschaften.
Instock:
Bedeutet das, dass die neuen Gesetze der rot-grünen Regierung Börsengänge
kleinerer Unter-nehmen unmöglich machen?
Borrmann:
Man kann kleinere Unternehmen noch immer mit geringeren Kosten und Publizitätspflichten
in den Freiverkehr bringen. Wenn man Technologieunternehmen allerdings
dem professionellen Kapitalmarkt nahe bringen will, benötigt man
für die Steuerung der Börsennotiz mehr Kapazitäten, als
sich kleinere Unternehmen leisten können.
Instock:
Worin liegen eigentlich die Schwierigkeiten für die kleineren Gesellschaften?
Borrmann:
Die sind im neuen Anlegerschutzgesetz zu finden. Vor allem die Veröffentlichungspflichten
machen das Leben schwer. So müssen beispielsweise Insider-Verzeichnisse
geführt werden. Dafür braucht man insgesamt eine eigene Abteilung,
die sich darum kümmert. Das ist sicherlich nicht förderlich
für den Kapitalmarkt, auch wenn es positiv für Anleger gedacht
ist..
Instock:
Damit werden wir absehbarer Zeit nur sehr wenige Börsengänge
haben?
Borrmann:
Entweder es gehen größere Gesellschaften an die Börse,
für die sich das rechnet, oder wir sehen sie nur am Freiverkehr.
Instock:
Bmp ist auch Fondsmanager. Wie passt das mit dem Tun eines Venture-Capitalisten
zusammen?
Borrmann:
Das Thema Private Equity kann man in zwei Arten behandeln: Entweder
man investiert eigenes Geld oder man managt als Berater Geld von Dritten.
Instock:
Das machen eigentlich alle Fondsmanager. Was zeichnet Ihr Haus aus?
Borrmann:
Wir sind eher eine Ausnahme unter den Fondsmanagern, da wir auch eigenes
Geld in Beteili-gungen investieren. Das beißt sich aber nicht.
Wir haben beispielsweise einen Parallel-Fonds mit der Kreditanstalt
für Wiederaufbau KfW. Dabei investieren wir KfW-Geld parallel zu
unseren Beteiligungen. Da gibt es keine Konflikte. Bei der Zusammenarbeit
mit König und Cie ist beispielsweise vorgesehen, dass wir die Fonds
so ausrichten, dass sie sich nicht mit unserem Geschäft beißen.
Instock:
Sind weitere Kooperationen wie mit König angedacht oder schon in
Planung?
Borrmann:
Was das Thema Fondsmanagement anbelangt, ist da nichts in Planung. Es
kann sein, dass wir etwas in Richtung institutioneller Investoren machen.
Da ist König nicht tätig. Allerdings ist auch das nicht aktuell,
da die institutionellen Anleger derzeit überhaupt keinen Appetit
auf Venture Capital in Deutschland haben. Wir sind jedoch nicht untätig
und schauen uns eine ganze Reihe von interessanten Portfolios an. Das
betrifft vor allem kleinere, nicht börsennotierte VC-Gesell-schaften,
um dort eventuell die eine oder andere Integration in bmp vorzunehmen.
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