01.02.05  Instock-Interview - PAION AG (WKN: A0B65S)

Paion: "Sind kein Ein-Produkt-Unternehmen"

Paion HomepageDer Paion AG gebührt, sofern nichts dazwischen kommt, der Ruhm des ersten Börsenganges des Jahres. Wir sprachen mit Wolfgang Söhngen, Mitgründer und Vorstandchef des Biotech-Unternehmens, über Chancen und Risiken des Börsenganges und der Unternehmensentwicklung.

Instock:
Im Fernsehen wurden Kleinanleger vor einem Engagement in Paion-Aktien gewarnt. Können Sie das nachvollziehen?

W. Söhngen:
Ich habe zu diesem Punkt ausdrücklich Stellung genommen und möchte nicht den Eindruck auf-kommen zu lassen, daß wir uninformierte Kleinanleger in ein Risiko locken. Es ist aus meiner Sicht angemessen zu sagen, daß Anleger, die bereits über ein Aktienportfolio verfügen, sicherlich einige Paion-Aktien beimischen können. Diese Anlegergruppe weiß, wie man mit Aktien umgeht. Auf der anderen Seite kann jemand, der keine Kenntnis über den Pharma- oder Biotech-Markt hat, das Risiko nicht abschätzen. Darauf weisen wir Anleger fairerweise hin.

Instock:
Worin sehen Sie das Risiko vor allem?

W. Söhngen:
Ich sehe das Risiko vor allem darin, daß es eine relativ große Volatilität im Kurs gibt. Die hängt nicht immer mit dem Ergebnis oder dem Erfolg des Unternehmens zusammen. Dann ist es so, daß auch bei sehr großen Unternehmen Probleme mit einem Produkt zu drastischen Kursein-brüchen führen. Ich kann ja nicht ausschließen, daß wir irgendwann einmal nicht nur Erfolgs-meldungen zu unserem Produkt haben. Das ist das Risiko, welches Anleger eingehen.

Instock:
Liegt das größere Risiko nicht darin, daß Sie derzeit nur ein vorzeigbares Produkt haben?

W. Söhngen:
Das ist falsch. Wir haben drei Produkte in der Pipeline. Wir sind nur mit einem Produkt weiter als mit den anderen. Wir sind definitiv kein „Ein-Produkt-Unternehmen“.

Instock:
Sind Sie überhaupt in der Lage, die Produkte selbst auf den Markt zu bringen oder benötigen Sie nicht mindestens ab der klinischen Phase drei einen finanzstarken Partner?

W. Söhngen:
Das ist ja der Grund, warum wir mit unserem Hauptprodukt Desmoteplase eine Partnerschaft auf dem US-Markt eingegangen sind. Der Partner trägt in erster Linie das Risiko für die Phase drei, die er vorfinanziert. Wir gehen davon aus, daß wir mit unseren anderen Produkten ähnlich um-gehen. Wir werden auch bei diesen Produkte für selektive Märkte eine Lizensierung vornehmen. Dazu müssen diese allerdings erst einmal den entsprechenden Reifegrad erreicht haben.

Instock:
Sie haben nach außerbörslichen Kapitalerhöhungen ein gutes finanzielles Polster. Wieso be-nötigen Sie jetzt so dringend zusätzliches Kapital?

W. Söhngen:
Wenn wir ein Ein-Produkt-Unternehmen wären, was nicht der Fall ist, wäre ein Börsengang nicht angemessen. Wie wollen jedoch unsere beiden anderen Produkte genauso weit entwickeln. Aus unserem Börsenprospekt ist zu entnehmen, daß wir bisher etwa 30 Millionen Euro in die Entwicklung von Desmoteplase investiert haben. Wenn wir nun die beiden anderen Produkte ebenso weit bringen wollen, benötigen wir für die nächsten drei Jahre zweimal 30 Millionen Euro.

Instock:
Bisher hat Ihnen der Kapitalmarkt das Geld auch ohne einen aufwendigen Börsengang zur Verfügung gestellt.

W. Söhngen:
Es ist in der Tat richtig, daß wir bisher das Geld auch ohne Börsengang bekommen haben. Ich denke, es ist eine Stärke von Paion, daß wir in einem sehr schlechten Marktumfeld immer in der Lage waren, die notwendigen Finanzmittel zu generieren. Gleichwohl muß man sagen, daß im europäischen Venture-Capital-Markt die Summe von 60 Millionen Euro fast nicht zu realisieren ist. In den USA sähe das ganz anders aus. Auf der anderen Seite sage ich als Entwickler und Firmenchef, daß es unverantwortlich wäre, eine klinische Erprobungsphase zwei für das nächste Produkt anzufangen, ohne das ich die notwendige Finanzierung dafür sichergestellt habe. Man kann nicht einfach aus Geldmangel eine solche Testphase beenden.

Instock:
Es war einmal ein Preis je Paion-Aktie von 20 Euro im Gespräch. Die Zeichnungsspanne liegt bei 11 bis 14 Euro, vorbörslich werden sie mit etwa 11 Euro gehandelt. Glaubt der Kapitalmarkt Ihrer Story nicht?

W. Söhngen:
Die Zahl von 20 Euro stammt weder von uns noch von der Investmentbank. Das war lediglich eine Einschätzung, zu der wir auch keine Stellung genommen haben. Wir haben den Preis nicht zurückgenommen. Die uns betreuenden Banken haben im Vorfeld der Preisfestlegung mit fast 200 institutionellen Anleger gesprochen, darunter auch solchen aus den USA. Nach diesen Gesprächen haben wir die Preisspanne auf 11 bis 14 Euro festgelegt. An weiteren Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen. Am Ende wird der Markt entscheiden, was die Paion-Aktie wert ist. Wir glauben nach den vielen Gesprächen, daß wir mit der richtigen Spanne an den Markt gehen und das wir damit erfolgreich sein werden.

Instock:
Blicken wir nach vorn, so ins Jahr 2015. Wo sehen Sie dann Ihr Unternehmen?

W. Söhngen:
Ich sehe uns als sehr gesundes, etablierte Unternehmen. Wir werden dann sicherlich an der Vermarktung unsere Produkte beteiligt sein. Ich sehe, daß wir unseren Weg, das Portfolio ständig zu erweitern, konsequent fortgeführt haben. Wir werden dann nicht nur drei Produkte am Markt haben, sondern mit einem angemessenen Portfolio dort vertreten sein.

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