Paion: "Sind kein Ein-Produkt-Unternehmen"
Der
Paion AG gebührt, sofern nichts dazwischen kommt, der Ruhm des
ersten Börsenganges des Jahres. Wir sprachen mit Wolfgang Söhngen,
Mitgründer und Vorstandchef des Biotech-Unternehmens, über
Chancen und Risiken des Börsenganges und der Unternehmensentwicklung.
Instock:
Im Fernsehen wurden Kleinanleger vor einem Engagement in Paion-Aktien
gewarnt. Können Sie das nachvollziehen?
W. Söhngen:
Ich habe zu diesem Punkt ausdrücklich Stellung genommen und möchte
nicht den Eindruck auf-kommen zu lassen, daß wir uninformierte
Kleinanleger in ein Risiko locken. Es ist aus meiner Sicht angemessen
zu sagen, daß Anleger, die bereits über ein Aktienportfolio
verfügen, sicherlich einige Paion-Aktien beimischen können.
Diese Anlegergruppe weiß, wie man mit Aktien umgeht. Auf der anderen
Seite kann jemand, der keine Kenntnis über den Pharma- oder Biotech-Markt
hat, das Risiko nicht abschätzen. Darauf weisen wir Anleger fairerweise
hin.
Instock:
Worin sehen Sie das Risiko vor allem?
W. Söhngen:
Ich sehe das Risiko vor allem darin, daß es eine relativ große
Volatilität im Kurs gibt. Die hängt nicht immer mit dem Ergebnis
oder dem Erfolg des Unternehmens zusammen. Dann ist es so, daß
auch bei sehr großen Unternehmen Probleme mit einem Produkt zu
drastischen Kursein-brüchen führen. Ich kann ja nicht ausschließen,
daß wir irgendwann einmal nicht nur Erfolgs-meldungen zu unserem
Produkt haben. Das ist das Risiko, welches Anleger eingehen.
Instock:
Liegt das größere Risiko nicht darin, daß Sie derzeit
nur ein vorzeigbares Produkt haben?
W. Söhngen:
Das ist falsch. Wir haben drei Produkte in der Pipeline. Wir sind nur
mit einem Produkt weiter als mit den anderen. Wir sind definitiv kein
„Ein-Produkt-Unternehmen“.
Instock:
Sind Sie überhaupt in der Lage, die Produkte selbst auf den Markt
zu bringen oder benötigen Sie nicht mindestens ab der klinischen
Phase drei einen finanzstarken Partner?
W. Söhngen:
Das ist ja der Grund, warum wir mit unserem Hauptprodukt Desmoteplase
eine Partnerschaft auf dem US-Markt eingegangen sind. Der Partner trägt
in erster Linie das Risiko für die Phase drei, die er vorfinanziert.
Wir gehen davon aus, daß wir mit unseren anderen Produkten ähnlich
um-gehen. Wir werden auch bei diesen Produkte für selektive Märkte
eine Lizensierung vornehmen. Dazu müssen diese allerdings erst
einmal den entsprechenden Reifegrad erreicht haben.
Instock:
Sie haben nach außerbörslichen Kapitalerhöhungen ein
gutes finanzielles Polster. Wieso be-nötigen Sie jetzt so dringend
zusätzliches Kapital?
W. Söhngen:
Wenn wir ein Ein-Produkt-Unternehmen wären, was nicht der Fall
ist, wäre ein Börsengang nicht angemessen. Wie wollen jedoch
unsere beiden anderen Produkte genauso weit entwickeln. Aus unserem
Börsenprospekt ist zu entnehmen, daß wir bisher etwa 30 Millionen
Euro in die Entwicklung von Desmoteplase investiert haben. Wenn wir
nun die beiden anderen Produkte ebenso weit bringen wollen, benötigen
wir für die nächsten drei Jahre zweimal 30 Millionen Euro.
Instock:
Bisher hat Ihnen der Kapitalmarkt das Geld auch ohne einen aufwendigen
Börsengang zur Verfügung gestellt.
W. Söhngen:
Es ist in der Tat richtig, daß wir bisher das Geld auch ohne Börsengang
bekommen haben. Ich denke, es ist eine Stärke von Paion, daß
wir in einem sehr schlechten Marktumfeld immer in der Lage waren, die
notwendigen Finanzmittel zu generieren. Gleichwohl muß man sagen,
daß im europäischen Venture-Capital-Markt die Summe von 60
Millionen Euro fast nicht zu realisieren ist. In den USA sähe das
ganz anders aus. Auf der anderen Seite sage ich als Entwickler und Firmenchef,
daß es unverantwortlich wäre, eine klinische Erprobungsphase
zwei für das nächste Produkt anzufangen, ohne das ich die
notwendige Finanzierung dafür sichergestellt habe. Man kann nicht
einfach aus Geldmangel eine solche Testphase beenden.
Instock:
Es war einmal ein Preis je Paion-Aktie von 20 Euro im Gespräch.
Die Zeichnungsspanne liegt bei 11 bis 14 Euro, vorbörslich werden
sie mit etwa 11 Euro gehandelt. Glaubt der Kapitalmarkt Ihrer Story
nicht?
W. Söhngen:
Die Zahl von 20 Euro stammt weder von uns noch von der Investmentbank.
Das war lediglich eine Einschätzung, zu der wir auch keine Stellung
genommen haben. Wir haben den Preis nicht zurückgenommen. Die uns
betreuenden Banken haben im Vorfeld der Preisfestlegung mit fast 200
institutionellen Anleger gesprochen, darunter auch solchen aus den USA.
Nach diesen Gesprächen haben wir die Preisspanne auf 11 bis 14
Euro festgelegt. An weiteren Spekulationen möchte ich mich nicht
beteiligen. Am Ende wird der Markt entscheiden, was die Paion-Aktie
wert ist. Wir glauben nach den vielen Gesprächen, daß wir
mit der richtigen Spanne an den Markt gehen und das wir damit erfolgreich
sein werden.
Instock:
Blicken wir nach vorn, so ins Jahr 2015. Wo sehen Sie dann Ihr Unternehmen?
W. Söhngen:
Ich sehe uns als sehr gesundes, etablierte Unternehmen. Wir werden dann
sicherlich an der Vermarktung unsere Produkte beteiligt sein. Ich sehe,
daß wir unseren Weg, das Portfolio ständig zu erweitern,
konsequent fortgeführt haben. Wir werden dann nicht nur drei Produkte
am Markt haben, sondern mit einem angemessenen Portfolio dort vertreten
sein.
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